1.Woche


Tag 1, Freitag


An den See erinnerte er sich am besten. Er erinnerte sich an die spiegelglatte Oberfläche, an die Reflektion der Sonne und der Wolken im Wasser. Und an die dicke Eisschicht im Winter, die ohne Mühe einen Trecker tragen konnte.
Als kleiner Junge hatte er sich immer gefragt, was wohl unter der Eisschicht passierte. Der See faszinierte ihn einfach.
Früher hatte er stundenlang auf dem Steg gesessen und seine Umgebung beobachtet, das Wasser, die Wälder und die Leute am Ufer. Wenn er nicht auf dem Steg war, hatte er es sich auf dem kleinen Felsen gemütlich gemacht, der kurz vor dem Grundstück seiner Eltern aus dem Wasser ragte. Oder er lag auf dem Rücken im Ruderboot und starrte in den Himmel.
Seine Eltern hatten sich deswegen schon Sorgen gemacht, weil er immer alleine sein wollte. Doch schließlich hatten sie eingesehen, dass es weit schlimmeres gab.
Zum Beispiel ein Sohn in der Pubertät.
Olli grinste in sich hinein, während er den Wagen von der Straße auf den Schotterweg lenkte, der zum Haus führte. Er war wirklich kein einfaches Kind gewesen und war es auch jetzt mit seinen zweiundzwanzig Jahren noch nicht. Er war das einzige Kind und genoss alle Vorzüge, die dieser Zustand mit sich brachte.
Außerdem liebte er das Nachtleben von Helsinki, genauso wie seine Freunde. Da musste sein Studium schon manchmal zurückstecken.
Ein Schlagloch ließ Olli aus seinen Gedanken hochfahren. Wie immer fuhr er ein bisschen zu schnell den schmalen Weg entlang. Er freute sich auf drei Wochen im Sommerhaus seiner Eltern. Ganz alleine. Er hatte erst überlegt, ob er ein Mädchen mitnehmen sollte, aber dann hatte er es sich anders überlegt. Frauen waren zum Spaß haben gut, drei Wochen auf engsten Raum waren für ihn undenkbar.
Jedenfalls fast. Er war da optimistisch, er glaubte einfach daran, dass es an den Frauen lag, die er kannte und nicht an ihm. Er war absolut nicht beziehungsunfähig, im Gegenteil. Er war sogar in der Lage, mehrere Beziehungen auf einmal zu führen. Wenn das mal nichts war.
Olli stellte das Auto vor dem großen Holzhaus ab und stieg aus. Er lehnte sich gegen die Fahrertür und nickte zufrieden. Diese drei Wochen würde er auf jeden Fall genießen.
Er öffnete den Kofferraum und schleppte als erstes die Vorräte die Treppe zur Veranda hoch. Die Tüten stellte er auf dem Holztisch ab, während er die Haustür aufschloss. Ihm schlug warme, abgestandene Luft entgegen, als er das Haus betrat. Also riss er zuerst mal alle Fenster auf und verstaute das Essen dann im Kühlschrank und in den Schränken. Beim Hinausgehen stellte er den Fernseher an.
Nach und nach schleppte er die vier Kanister mit Wasser und sein Gepäck ins Haus. Dann schloss er das Auto ab und machte es sich in einem Sessel im Wohnbereich bequem. Ihm knurrte er Magen, also stand er auf um sich Brot zu machen.

Sade schulterte ihren Rucksack und stieg aus dem Bus. Sie hatte das Gefühl, die Haltestelle lag im Nirgendwo. Obwohl man das knapp 50 Kilometer außerhalb von Mikkeli wahrscheinlich wirklich behaupten konnte.
Sie krempelte ihre Jeans bis zu den Knien hoch und ging los. Es war verdammt heiß gewesen den ganzen Tag. Jetzt am späten Nachmittag wurde es etwas erträglicher durch die Gegend zu laufen. Warum hatte sie sich auch unbedingt im Sommer dazu entscheiden müssen, mit Sack und Pack aufzubrechen?
Schlechtes Karma, dachte sie, obwohl sie nicht mal an so etwas glaubte.
Sie lief etwa eine halbe Stunde, dann kam sie in einen kleinen Ort. In einem der Supermärkte kaufte sie sich ein paar staubtrockene Piroggen, Margarine und Marmelade. Dazu drei Liter Wasser und Taschentücher. Das sollte für die Nacht reichen.
Sie war eigentlich kein besonders großer Fan von Zelten, aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen. Oder staubtrockene Piroggen mit Butter.
Als sie vor dem Laden stand, drehte sie sich kurzentschlossen um und kaufte noch ein Sechserpack Lapin Kulta.
Damit setzte sie sich auf eine Bank an der Straße und fing an zu trinken und zu essen. Ihre Mutter würde bei dem Anblick wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen. Sie achtete sehr auf gesunde Ernährung und Alkohol hielt sie für ein Produkt der Hölle.
Sade fragte sich, warum zur Hölle sie in den Bus nach Lahti gestiegen war. Was wartete denn in Südfinnland auf sie?
Andererseits, wartete irgendwo irgendetwas auf sie? Wohl kaum.
Vielleicht hätte sie mit dem Bus nach Murmansk fahren sollen und dort ein Leben als – ja, was genau hätte sie in Murmansk werden können? Sie hasste Fische, also fiel eine Berufsausübung in der Richtung schon mal weg. Und andere Tiere konnte sie nicht töten. Mal abgesehen von einigen Insektenarten. Dabei redete sie sich immer ein, sie wäre ja auch verdammt schlecht dran, wenn sie die Mücken nicht erschlagen würde, die versuchten sie auszusaugen.
Lustlos ließ Sade die Beine baumeln, während sie ihr letztes Bier trank. Es waren nicht besonders viele Leute unterwegs. Die meisten Einheimischen waren wahrscheinlich in den Ferien und es fiel Sade schwer sich vorzustellen, dass Leute hierher kamen um Urlaub zu machen.
Endlich stand sie von der Bank auf und stellte fest, dass ihre Beine sich ein bisschen weich anfühlten. Sie schwankte leicht beim Gehen, schaffte es aber trotzdem noch bis zur nächsten Bushaltestelle. Sie überprüfte kurz, wann der nächste Bus fuhr und wohin und beschloss, bis zum nächsten Morgen zu warten und dann Richtung Kouvola zu fahren.
Während sie an der Straße entlangging, überlegte sie sich, ob sie nicht vielleicht doch nach Helsinki fahren und sich mit der Fähre nach Tallinn oder Stockholm absetzen sollte. Sie wusste zwar nicht, was sie da sollte, aber das würde sich schon finden. Vielleicht würde sie in Stockholm einen hübschen schwedischen Studenten aus Småland kennen lernen und den Rest ihres Lebens glücklich in einem roten Holzhaus in den schwedischen Wäldern verbringen. Das hätte doch was.
Während sie noch an sonnengebadete Nachmittage an einem schwedischen See dachte, fing es an zu regnen wie aus Eimern. Jedes vorbeifahrende Auto spritzte sie mit Wasser voll, doch sie konnte nicht noch weiter rechts gehen, da dort ein Graben verlief. Dahinter kam schon der Waldrand.
Gott sei Dank war ihr Zelt wasserdicht.
Sie dachte darüber nach, jetzt schon ihr Lager aufzuschlagen, doch es war erst kurz vor acht und ein bisschen Regen würde ihr mit Sicherheit nicht schaden.
Per Anhalter fahren kam für sie nicht in Frage. Sie hatte weniger Bedenken dabei, die Nacht alleine im Wald zu verbringen als bei einem Fremden ins Auto zu steigen.
Auch wenn sie sich im Moment kaum etwas gemütlicheres als den Vordersitz eines Pkws vorstellen konnte. Mit Sitzheizung.
Verdammt.

Langsam wurde es dämmerig draußen und Olli schloss die Fenster wieder. Er ging in das Schlafzimmer und bezog das große Bett. Als Kind hatte er lieber oben geschlafen. Dort befand sich ein Holzboden, der als Stauraum diente, von dem aus auch der Balkon abging. Doch jetzt zog er die bequemen Matratzen auf dem hohen Holzgestell vor.
Als er bemerkte, dass es regnete, stand ihm der Sinn plötzlich nach Gemütlichkeit. Sauna mit ein paar Flaschen Karhu.
Dummerweise hatte er kein Bier da. Also lief er im Eilschritt zum Auto und fuhr los. Der nächste Supermarkt war zwanzig Minuten entfernt.
Olli schaute auf die Uhr. Es war halb acht, also kein Grund zu hetzen. Er legte eine CD von Apulanta ein und trat aufs Gas. Die Tatsache, dass es keinen Grund zu hetzen gab, hieß ja noch lange nicht, dass er es nicht trotzdem tun konnte. Er holte aus seinem BMW eben gerne das Beste raus.
Laut mitsingend fuhr er fünfzehn Minuten später auf den Parkplatz des Supermarktes und stellte das Auto ab. Er kaufte nicht nur Bier sondern auch Zigaretten und Lakritze.
Dann machte er sich wieder auf den Rückweg. Die Straße war relativ leer, deswegen nutzte er auch jetzt seine Möglichkeiten aus. Er fuhr mit annähernd 120 km/h die Landstraße entlang und trommelte mit den Fingern den Rhythmus von Apulantas „Reunalla“ auf dem Lenkrad.
Sehr spät erkannte er, dass jemand am Straßenrand entlang lief - und er zu weit rechts fuhr. Im letzten Moment drehte sich die Person um und machte mit einem erschrockenen Gesichtsausdruck einen Satz nach rechts, wodurch sie unsanft im Graben landete.
Olli hielt an und stieg aus. Er lief um das Auto rum, um nach der Person zu sehen.
Im Graben lag ein Mädchen in seinem Alter, das ihn böse ansah. Ihre Haare lagen klatschnass am Kopf und auch ihre Klamotten waren total durchgeweicht und mit nassem Gras übersäht. Doch sie schien nicht weiter verletzt zu sein.
„Alles in Ordnung?“, wollte Olli wissen und reichte ihr seine Hand.
„Alles bestens“, brummte das Mädchen und ließ sich von ihm zurück auf die Straße helfen.
„Wirklich?“
„Ja.“
„Es tut mir leid“, entschuldigte Olli sich aufrichtig. Sie schaute ihn immer noch böse an, doch es lag auch etwas Resignation in ihrem Blick.
„Ist ja nichts passiert. Bin nur ein bisschen – grün.“
„Soll ich dich irgendwohin mitnehmen?“
„Nein.“
„Aber...wo willst du denn hin?“
„Nirgendwo hin“, antwortete sie. Olli runzelte die Stirn.
„Und was machst du dann hier draußen?“
„Ich wandere ziellos durch die Gegend und versuche, nicht überfahren zu werden.“
Olli schüttelte den Kopf und wies auf sein Auto. „Steig ein.“
„Bitte?“
„Steig ein. Du brauchst eine Dusche.“
„Auf keinen Fall!“, protestierte sie.
„Jetzt stell dich nicht so an. Ich tu dir schon nichts.“
Das Mädchen schien immer noch zu zögern, aber schließlich siegte wohl der Gedanke an eine Dusche, denn sie stieg bereitwillig in den BMW.
Olli verstaute ihren Rucksack auf dem Rücksitz, nahm hinterm Steuer Platz und fuhr wieder los.
„Wie heißt du?“, fragte er.
„Sade.“
„Ich bin Olli.“
„Ah.“
Er sah sie kurz an. Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt und bewegte sich nur dann, wenn sie sich Wasser aus dem Gesicht wischte. Ansonsten starrte sie stur vor sich her aus der Windschutzscheibe.
„Du traust mir nicht“, stellte er fest.
„Wieso auch? Du hättest mich schließlich auch mit Absicht in den Graben springen lassen können um genau das hier zu erreichen.“
Olli lachte auf. „Genau. Hab nichts besseres zu tun. Was bin ich denn? Mörder, Vergewaltiger, eine Kombination aus beidem?“
„Das ist nicht witzig.“
„Warum bist du dann überhaupt eingestiegen?“
Sie drehte abrupt den Kopf. „Gute Frage. Halt an.“
„Vergiss es.“ Olli sah sie ungläubig an. „Das ist das totale Hundewetter da draußen.“
„Na und? Lieber nass als tot.“
Er zeigte ihr einen Vogel und fuhr unbehelligt weiter. Sade verschränkte beleidigt erneut die Arme vor der Brust und sah aus dem Fenster. Es sah wirklich reichlich mies aus da draußen. Es war zwar nicht dunkel – das wurde es selbst hier zu dieser Jahreszeit nicht wirklich – aber der Regen fiel unaufhörlich und mit beachtlicher Konstanz.
Sie seufzte. Natürlich glaubte sie nicht daran, dass der Junge neben ihr ein Mörder war. Dazu war sie viel zu gutgläubig und vertrauensselig. Und genau das ärgerte sie jetzt. Er hielt sie wahrscheinlich für irgendein naives Dummchen aus dem Osten – ihr Akzent war ja kaum zu überhören.
Seiner allerdings auch nicht. Ein echter Stadtbursche aus dem Süden, mit großer Wahrscheinlichkeit aus Helsinki oder der Umgebung. Nicht aus Turku oder Tampere, auch das war eindeutig.
Was versprach er sich überhaupt davon, dass er ihr half? Geld? Sex? Das konnte er sich mal ganz gepflegt abschminken, eher würde sie da draußen im Regen ertrinken als mit diesem Kerl zu schlafen.
Verstohlen betrachtete sie ihn. Er war ziemlich groß und dünn. Schon mal gar nicht ihr Fall. Seine Haare waren irgendwie dunkelblond oder hellbraun, das war schwer zu sagen und für ihren Geschmack zu lang und durcheinander. Wenigstens sein Gesicht war halbwegs vorzeigbar, es war schmal und sein Lächeln ließ es buchstäblich erhellen. Seine Augen hatten ein tiefes Blau. Automatisch wanderte ihr Blick zu seinen Händen, die locker das Lenkrad umschlossen hielten. Seine Finger waren lang und schmal, die Nägel eindeutig abgekaut.
Sade fühlte sich bestätigt und nickte zufrieden. Mit so einem würde sie garantiert nicht schlafen.
„Was ist? Warum schaust du mich so an?“, wollte Olli schließlich wissen.
„Ich werde nicht mit dir schlafen“, platzte Sade heraus und schämte sich im selben Moment dafür. Doch Olli lachte nur.
„Damit kann ich leben“, grinste er. „Und außerdem, wenn ich Sex gewollt hätte, hätte ich dich gleich im Graben...“
„Ja, ist ja gut!“, unterbrach Sade ihn hektisch. „Keine Details, Casanova.“
Olli grinste weiter vor sich hin und bog von der Landstraße ab. Sade wurde ordentlich durchgeschüttelt, als er über den holprigen Weg bretterte.
„Kommt dir nie einer entgegen?“, fragte sie, während sie verzweifelt versuchte, sich irgendwo festzuhalten.
„Selten.“
„Und wie viele sind dabei schon gestorben?“
„Du wärst die erste“, antwortete Olli und kam endlich zum Stehen. Sade schaute aus dem Fenster auf ein schönes, helles Holzhaus, dessen Fensterrahmen blau gestrichen waren.
„Lass mich raten: kein fließend Wasser“, murmelte sie.
„Bist von der ganz schlauen Sorte, was?“ Olli stieg aus und Sade tat es ihm nach. Sie folgte ihm die Stufen zur Veranda und fand sich auf einer geräumigen, hölzernen Fläche wieder. Sie schaute über das Geländer. Das Haus stand auf einem Hügel und zwischen ein paar Bäumen ein paar Meter weiter unten sah sie einen See liegen. Es war schön hier und weit und breit war kein weiteres Haus zu sehen.
Olli schloss die Tür auf und sie traten ein. Von dem Wohnbereich in dem sich auch die Küche befand, gingen zwei Türen ab. Neben der hinteren führte eine Treppe nach oben.
„Du kannst dich hinten im Schlafzimmer umziehen“, meinte Olli und deutete auf die Tür bei der Treppe. „Ich heiz die Sauna an.“ Damit verschwand er durch die vordere Tür. Sade stellt5e ihren Rucksack ab und sah sich um. Es war recht gemütlich hier und sicher bequemer als ein Zelt. Sie ging einfach mal nicht davon aus, dass Olli sie gleich nach der Dusche wieder rausschmeißen würde.
Schließlich schleppte sie ihren Rucksack in das Schlafzimmer. Es war nicht besonders geräumig und wurde von einem großen Bett beherrscht. Ein paar Schränke standen hier und es gab ein kleines Fenster.
Bestimmt Papis Ferienhaus, dachte sie. Aber das war ja nichts ungewöhnliches. Sie fragte sich nur, was Olli hier ganz alleine machte.
Umständlich schälte sie sich aus ihren nassen Klamotten und hing sie über einen Stuhl neben der Tür. Sie wickelte sich ein Handtuch um den Kopf und zog sich Shorts und ein T-Shirt der Jokerits an – ihr Vater war gebürtiger Helsinkier und bestand darauf, dass es das beste Team war.
Dann ging sie zurück und ließ sich vor dem Fernseher in einem Sessel nieder. Fast zeitgleich kam Olli wieder.
„Da ist auch die Toilette“, erklärte er. „Hab gehört, selbst Frauen haben diese Bedürfnisse.“
„Ist dir eigentlich klar, dass du einen enormen Charme versprühst?“, brummte Sade und zog die Beine unter den Oberkörper.
„Absolut. Bin ich bekannt für.“ Olli ging in den Küchenbereich und stützte sich mit den Ellenbogen auf den Tresen. „Willst du was trinken oder essen?“
„Vielleicht etwas trinken. Hast du Bier?“
„Natürlich.“ Er riss zwei Flaschen aus dem Sechserpack Karhu, reichte Sade eins und setzte sich auf den zweiten Sessel. Er schaltete den Fernseher ein und sah sie an.
„Was ist?“, fragte sie und nahm einen großen Schluck Bier.
„Darf ich dich jetzt fragen, warum du alleine durch die Gegend streunst?“
„Nein. Aber tu dir keinen Zwang an.“
„Nettes Shirt. Bin auch ein Fan.“
„Mein Vater kommt aus Helsinki. Wer die Jokerits verrät, wird enterbt.“
„Sehr sympathischer Mann, dein Vater.“
Sade zog nur missmutig die Augenbrauen zusammen, sagte aber nichts. Was ging Olli auch an, was sie von ihrem Vater hielt? Sie leerte ihr Bier und schaute auf den Fernseher. Es lief ein Dirty Harry Film, der sie eine Zeit lang fesselte. Sie war kein wirklicher Fan von Clint Eastwood, aber man konnte sich das schon ab und zu mal anschauen.
Schließlich wies Olli darauf hin, dass sie Sauna mittlerweile wohl warm war.
„Machs dir bequem“, meinte er. „Ich schieb eine Pizza in den Ofen, wenn das der Lady beliebt.“
„Durchaus“, murmelte Sade und verzog sich. Während sie auf der oberen Bank saß und vor sich hin schwitzte, dachte sie über Olli nach. Sie fand ihn aus irgendeinem Grund wahnsinnig nervenaufreibend. Auch wenn er gelegentlich nette Züge durchscheinen ließ, in ihren Augen war er ein verwöhnter, missratener Stadtbengel.

Als sie frisch geduscht und erholt aus der Sauna kam, lag Olli ausgestreckt auf dem Sofa und balancierte einen Teller mit einer halben Pizza auf seinem Bauch. Sie verkniff sich jeden Kommentar über das unglaubliche Sex Appeal dieses Anblicks und holte auf seine Anweisungen hin ihren Teller aus dem Ofen. Sie stellte sich an die Theke und fing an zu essen.
„Wer sagt mir eigentlich, dass du keine durchgeknallte Mörderin bist?“, wollte Olli irgendwann wissen. Sade seufzte.
„Dann hätte ich dich schon längst um die Ecke gebracht. Vertrau mir.“
Olli grinste sie an und verspeiste das letzte Stück Pizza. Dann stand er auf und ging ins Schlafzimmer.
„Was machst du?“, fragte Sade mäßig interessiert.
„Ich bezieh Bettwäsche für dich. Oder willst du draußen schlafen?“
Anstatt einen Streit vom Zaun zu brechen, schwieg Sade. Nie im Leben hätte sie zugegeben, dass ihr das Angebot ganz recht kam.
„Habt ihr denn ein Gästezimmer, oder so?“, fragte sie stattdessen.
„Nee, nur einen vollgepackten Boden. Du musst schon hier schlafen. Ich kann ja aufs Sofa gehen.“
„Hm“, machte Sade und stellte ihren leeren Teller in die Spüle. Dann ging sie sich die Zähne putzen. Als sie wiederkam, fand sie Olli schon mitsamt Bettzeug auf dem Sofa wieder. Es sah nicht sehr bequem aus, er musste mit dem Kopf auf der Armlehne liegen, um die Beine halbwegs ausstrecken zu können.
„Gute Nacht“, meinte er nur und schloss die Augen.
„Nacht.“ Sie ging ins Schlafzimmer, zog sich um und kroch ins Bett. In Gedanken versuchte sie zu rekapitulieren, wie sie hierher gekommen war. Aber mittendrin schlief sie ein.
layout code by outoftheline at chaste.design. host: myblogTexture and Brushes by Gender
Gratis bloggen bei
myblog.de