IX. We forgive and forget…and it’s all coming back to me now


„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ Ich umarmte Ira überschwänglich und drückte ihr dann mein Geschenk in die Hand. Petter, der hinter mir stand, tat es mir nach und stellte sich dann einen halben Meter neben mich, während auch Jan seinen Glückwunsch überbrachte. Nervös schaute ich zu Petter auf, der mir leicht zulächelte.
„Kommt rein“, bat Ira uns und wir folgten ihr ins Wohnzimmer von Torkilds Eltern. Sie lebten in einem großen alten Haus, in dem Torkild die Party für seine Freundin organisiert hatte. Auch wenn es keine Überraschung mehr war, sah Ira doch aus als könnte sie glücklicher nicht sein.
Sie stellte uns den Leuten vor, die wir nicht kannten und rauschte dann in Richtung Küche. Anscheinend führte sie doch den ganzen Laden hier, obwohl es eine Party für sie war. Aber so war sie nun mal und Torkild, der gemütlich mit Magnus auf einem Sofa saß und Bier trank, schien es reichlich wenig auszumachen, dass er sich nicht um alles kümmern musste.
„Silja!“, rief er leicht angetrunken als er mich entdeckte und stieß eine Topfpflanze um. Er ignorierte die Scherben auf dem Boden und umarmte mich. Dann gab er Petter und Jan die Hand. Es war ein Wunder, dass ich die beiden zusammen herbekommen hatte, ohne dass einer von ihnen größeren Schaden genommen hatte. Jan war vor einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen worden, doch ich konnte nicht behaupten, dass es seitdem leichter geworden wäre. Eher im Gegenteil.
„Komm, Tandis, wir holen dir ein Bier.“ Torkild packte sich Petters Arm und zog ihn mit sich. Petter warf Jan noch einen warnenden Blick zu, dann verschwand er mit Torkild auf der Terrasse, wo das Bier und andere Getränke lagerten. Es war praktischer und geräumiger als der Kühlschrank und die Männer konnten da in Ruhe im Halbdunkel ihre privaten Dinge besprechen, die Hand immer in Reichweite des nächsten Bieres.
„Möchtest du auch etwas trinken“, wollte Jan wissen.
„Gleich. Erstmal will ich mir Iras Geschenk anschauen.“ Ich zog ihn am Ärmel hinter mir her in die Küche, wo Ira gerade fleißig kleine Würstchen auf Zahnstocher piekste. Als wir hineinkamen sah sie auf und lächelte.
„Na ihr, sucht ihr was?“
„Nur dich“, antwortete ich und setzte mich auf einen Stuhl. Jan stellte sich hinter mich und stützte sich auf meinen Schultern ab. „Zeig her, was hast du von Torkild bekommen?“
Ira packte ein Tausend-Watt-Strahlen aus und schob den Ärmel ihres Pullovers ein Stück weit hoch.
„Er hatte erst überlegt mir einen Ring zu schenken, aber da hätte die Gravur nicht reingepasst“, erklärte sie.
„Was hat er eingravieren lassen, den neuen Harry Potter?“, wollte Jan wissen und betrachtete den schönen Silberarmreif, der von drei Edelsteinen geschmückt wurde.
„Nein, du Miesmacher“, grinste Ira.
„Und was sind das für Steine?“, wollte ich wissen. Ira sah auf den Armreif und lächelte.
„Der rote ist ein Rubin und steht für Liebe und Leidenschaft. Der Gestreifte ist ein Achat und soll Schutz, Geborgenheit und Sicherheit vermitteln. Und der Dritte ist Jade. Torkild meinte, er passt zu mir nach dem, was die Verkäuferin über ihn gesagt hat.“
„Nämlich?“, hakte Jan neugierig nach.
„'Jade ist weich, glatt und glänzend wie die Güte, stark, kompakt und schön wie die Intelligenz und scharf an den Kanten, ohne schneidend wie die Justiz zu sein.’ Das ist von Konfuzius.“ Ira grinste schief und schaute dann wieder auf den Silberreif.
„Wahnsinn, Torkild hat sich ja eine Menge Gedanken gemacht“, stellte ich beeindruckt fest.
„Ja.“ Ira lächelte breit. „Ihr solltet die Gravur sehen.“ Sie nahm den Armreif ab und gab ihn mir.
„’Meine Gefühle für dich sind stärker als mein Absprung’?“, las ich verwirrt vor.
„Er wollte nicht so etwas Konventionelles“, lachte Ira.
„Soso. ‚Mein Engel. Danke, dass du es mit mir aushältst und wundervoller bist, als ich es mir je hätte träumen lassen. Ich liebe dich.’“ Ich schaute auf und grinste. „Kein Wunder, dass er dafür einen Armreif gebraucht hat.“
„Nächstes Jahr gibt’s nen Gürtel“, witzelte Jan, woraufhin ich ihm meinen Ellenbogen in den Magen rammte.
„Das ist wirklich ein tolles Geschenk“, befand ich. Ira nickte glücklich.
„Weißt du, von mir aus kann er so viele Pflanzen umschmeißen, wie er will. Er ist das Beste, was mir je passiert ist und das gebe ich garantiert nie wieder her.“ Sie wandte sich wieder ihren Cocktailwürstchen zu und ich legte den Kopf in den Nacken, um Jan anzuschauen. Er begegnete meinem Blick und lächelte.
„Das Gefühl kenn ich“, flüsterte er.
„Bis zu dem Punkt mit dem Hergeben, was?“, zog ich ihn auf. Jan kippte meinen Stuhl nach hinten und beugte sich über mich.
„Wie war das?“
„Nichts! Ich hab gar nichts gesagt!“, rief ich panisch und krallte mich an seinen Armen fest.
„Ira, hast du das gehört?“, wollte Jan wissen. Sie schüttelte den Kopf ohne aufzusehen.
„Du erwartest doch nicht von mir, dass ich meine beste Freundin in die Pfanne haue? Das erwartest du nicht von mir, oder? Außerdem hatte sie recht.“
„Hey!“ Jan stellte meinen Stuhl wieder auf und warf meine beste Freundin mit einem Cocktailwürstchen ab.
„Ganz ruhig, Brauner“, lachte sie und steckte sich das Würstchen in den Mund. „Ich bin auf deiner Seite, okay?“
„Wirklich?“
„Nein.“ Sie hielt lachend ein Tablett vor sich, als Jan sie mit einer ganzen handvoll Würstchen abwarf.
„Bei euch wird man doch nur verklapst“, schmollte Jan und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Du hast doch nicht erwartet, dass du wiederkommst und kein bisschen leiden musst, oder?“, witzelte ich. Jan sah mich an.
„Als würde ich nicht schon genug leiden!“, rief er theatralisch. „Mein blutendes Herz schreit nach Erbarmen, aber du erhörst es nicht!“
„Zufällig blutet nicht nur dein Herz“, gab ich zurück.
„Hey, könnt ihr jetzt bitte aufhören über blutende Organe zu reden? Ich wollte noch etwas essen“, mischte Ira sich ein. „Trinkt ein Bier und beruhigt euch. Wenn sich noch ein bisschen mehr Spannung zwischen euch aufbaut, nehm ich alle Sicherungen raus und schließ euch an die Lampen an.“
„Ich bin total ruhig und gesammelt“, murrte ich und schob mir ein Stück Käse in den Mund. Ira rollte mit den Augen.
„Würdest du bitte den Legostein von Toris Cousin wieder ausspucken?“
Jan lachte laut auf, während ich erschrocken den Stein ausspuckte und nach Iras Colaglas griff. Sie schüttelte den Kopf und schickte uns dann mit einer Kopfbewegung aus dem Zimmer.
Jan lachte immer noch, als wir uns mit je einer Flasche Bier aufs Sofa setzten.
„Du bist nicht ganz bei der Sache zur Zeit, oder?“, wollte er wissen, nachdem er sich halbwegs beruhigt hatte.
„Doch schon, nur halt bei einer anderen Sache“, gab ich zurück und nahm einen großen Schluck. Durch das große Wohnzimmerfenster sah ich Petter und Torkild, die sich angeregt unterhielten. Ich seufzte und schlug die Beine über.
„Was ist jetzt?“, wollte Jan wissen. „Überlegst du, wie du ihn abschießen sollst?“
„Wie kommst du darauf, dass ich ihn abschießen will? Vielleicht überleg ich ja auch, wie ich am unauffälligsten von dir wegkomme.“
„Hm.“
„Bist du dir deiner Sache wirklich so sicher?“, wollte ich leise und friedfertiger wissen. Jan schnitt eine Grimasse und schüttelte den Kopf.
„Ich habe ständig Angst, dass ich dich am Ende doch verliere. Oder bereits verloren habe. Ich weiß, wie viel dir Petter bedeutet und er weiß es auch. Ich kann nur hoffen, dass...“ Er zuckte hilflos mit den Schultern. „...dass ich der bin, den du liebst.“
„Und wenn nicht?“, flüsterte ich.
„Darüber will ich nicht nachdenken. Du denkst ja im Flugzeug auch nicht immer darüber nach, was wäre wenn es gleich gegen einen Berg knallt und du bei vollem Bewusstsein in Stücke gerissen wirst.“
„Nein“, räumte ich an und sah ihn entgeistert an. „Aber das wird sich jetzt wohl ändern.“
„Entschuldige.“
„Halb so schlimm.“ Ich wandte meinen Blick wieder zu Petter und seufzte unwillkürlich.
„Du weißt nicht, was du für ihn fühlst, was?“
„Nein.“
„Und auch nicht genau, was er für dich fühlt, oder?“
„Na ja, er hat gesagt, dass er mich liebt aber...ich weiß auch nicht.“ Resigniert zuckte ich mit den Schultern und trank in einem Zug mein Bier aus.
„Pass auf, ich zeig dir was.“ Jan beugte sich vor und küsste mich. Innerhalb einer Zehntelsekunde hatte ich ihn von mir gestoßen, doch da kam Petter schon durch die Terrassentür geschossen und verpasste Jan dermaßen eine, dass ich hätte schwören können, seinen Kiefer knacken gehört zu haben.
„Jan!“, schrie ich erschrocken auf, während Torkild Petter zurückhielt, der offensichtlich am liebsten noch mal nachgetreten hätte. Ich sprang vom Sofa auf und hielt Petter an beiden Armen fest. „Nicht“, flehte ich ihn an. „Bitte, Petter, hör auf.“
Petter schnaubte wütend, drehte sich aber um und stürmte wieder aus dem Haus. Ich folgte ihm verzweifelt und holte ihn auf dem Rasen fünf Meter hinter der Terrasse ein.
„Petter, warte.“
Er blieb stehen und schaute mich an. In seinen Augen lag keine Wut mehr, er schien wegen irgendetwas traurig zu sein.
„Was ist denn?“
Nicht...gehen“, murmelte ich und griff nach seinem Ärmel. Er seufzte und zog mich in seine Arme.
„Ich weiß, dass du nichts dafür kannst, Silja. Das kann wohl keiner. Aber muss dieser Mistkerl mich so quälen?“
„Wovon redest du eigentlich?“, wollte ich verwirrt wissen.
„Von dir. Uns. Jan.“
„Ich...was?“
„Silja, bitte. Ich bin doch nicht blöd. Ich weiß, dass du mir nicht wehtun wolltest.“ Petter strich mir über den Rücken, machte aber keine Anstalten weiterzureden.
„Aber ich...“
„Ich verstehe nur nicht, wieso er dich trotzdem vor meinen Augen küssen muss“, zischte Petter urplötzlich und ließ mich los.
„Was heißt hier trotzdem? Trotz was?“
„Unglaublich.“
„Verdammt noch mal, Petter! Ich Frau, ich nix sprechen Mann! Was ist hier los?“
Petter schaute mich an und zog fragend die Augenbrauen hoch.
„Du meinst, du hast keine Ahnung?“
„Komm ich dir vor als hätte ich Ahnung?“, wollte ich mürrisch wissen.
„Ehrlich gesagt nein, aber ich hätte nicht gedacht, dass du derart dicht machst.“ Petter musste schmunzeln und legte mir eine Hand auf den Kopf.
„Quoi?“
„Es geht darum, dass ich dich an Jan verloren habe“, erklärte Petter freundlicherweise. „Es ist sowas von offensichtlich, dass ihr euch immer noch liebt, dass es schon fast lächerlich ist, dass wir solange zusammengeblieben sind.“
„Wie bitte? Sind wir etwa getrennt?“ Ich schnappte erschrocken nach Luft und hatte das Gefühl, dass mein Leben gerade gehörig aus dem Ruder lief.
„Wenn wir es nicht waren, dann sind wir es jetzt.“ Petter küsste mich auf die Stirn.
„Hallo? Hab ich dazu vielleicht auch noch was zu sagen?“
„Nein.“ Er grinste, schlug mir leicht auf die Schulter und ging dann zurück zum Haus. „Viel Glück, Blindfisch.“
„Na, so ein, was erlaubt der sich“, schimpfte ich, doch plötzlich hielt ich inne. Petter hatte Schluss gemacht. Petter hatte mich soeben abgeschossen. Ohne wenn und aber.
„Hey, dein Freund sah gerade so zufrieden aus, ist wieder alles okay?“ Jan war vor mir aufgetaucht und schaute mich abwartend an. Ich konnte ihn nur entgeistert anstarren. „Das eben tut mir leid“, fuhr er fort. „Ich wollte dir nur zeigen, dass du ihm wirklich eine Menge bedeutest. Falls es dir hilft. Wenn du dich entscheidest bei ihm zu bleiben, brauchst du dir wirklich keine Gedanken zu machen, er liebt dich aufrichtig.“ Jan sah mich fast ein bisschen stolz an. Ich verzog das Gesicht und schniefte.
„Er hat mich verlassen“, erklärte ich mit zitternder Stimme. Jan fiel alles aus dem Gesicht.
„Wie?“
„Im Stehen. Was denkst du denn?“, blaffte ich ihn an.
„Er hat Schluss gemacht?“ Jan schüttelte irritiert den Kopf. „Aber warum?“
„Warum? WARUM? Wegen dir natürlich!“, brüllte ich. „Weil du auftauchen und einen Kleinkrieg mit ihm anzetteln musstest. Weil du zurück in mein Leben kommen und alles auf den Kopf stellen musstest. Weil du mich vor seinen Augen küssen und meine Beziehung ruinieren musstest!“ Wütend stieß ich ihn zur Seite und stapfte zurück zum Haus. Das durfte doch wohl alles nicht wahr sein! Ich hatte Petter verloren. Einfach so.
„Silja!“ Ira tauchte an meiner Seite auf und zog mich mit sich in irgendein Schlafzimmer. „Ich hab gerade mit Petter gesprochen.“
„Oh, gut. Hat er dir vielleicht erzählt, was das sollte?“, fragte ich apathisch, unfähig zu begreifen, was gerade vorgefallen war.
„Er gibt auf.“ Ira zog mich zu sich runter aufs Bett und legte einen Arm um mich. „Wie gesagt, er hatte nichts mehr zu verlieren. Du gehörst zu Jan und jeder hier sieht und weiß das.“ Sie dachte kurz nach. „Außer dir.“
„Toll, danke.“ Ich vergrub das Gesicht in den Händen und stützte die Ellenbogen auf die Oberschenkel. „Aber was wenn ich gar nicht zu Jan gehören will?“
„Warum solltest du das nicht wollen?“
„Weil ich Angst habe, verdammt! Was, wenn er mich noch mal einfach so verlässt. Er muss ja nur irgendein Mädchen treffen, das, was weiß ich, besser singen kann.“
„Oh, das ist nicht schwer.“
Ich rollte hinter den Händen mit den Augen und seufzte abgrundtief.
„Ich meine es ernst, Silja. Ich habe Jan schon einmal verloren. Wenn er mir noch einmal sowas antut...“ Ich ließ den Satz unbeendet und zuckte einfach mit den Schultern. Ja, was dann?
„Aber willst du dir aus Angst deine große Liebe durch die Lappen gehen lassen? Das Leben ist voller Risiken, Silja, nichts ist absolut sicher. Jan liebt dich, er macht dich glücklich, willst du das einfach wegwerfen, nur weil du Angst hast? Wenn es danach ginge, dürftest du keinem Menschen vertrauen. Ich geb dir ja recht, er hat Mist gebaut. Aber glaubst du wirklich, dass er all das, was er in den letzten Wochen getan hat, nur aus Jux und Tollerei getan hat? Er bemüht sich wirklich. Er kämpft für eine zweite Chance, weil er seinen Fehler eingesehen hat und ihn wieder gutmachen will.“ Ira strich mir aufmunternd über den Rücken. „Ich kann mir vorstellen, dass der Zweifel dich fast auffrisst. Aber wenn du nichts riskierst könntest du am Ende alles verlieren.“
„Ich will Jan nicht verlieren“, schluchzte ich.
„Ja, eben! Du musst ihm verzeihen und die ganze Sache ruhen lassen.“ Ira drückte mich fest an sich. „Ich weiß, dass es nicht leicht wird, aber ich bin immer für dich da.“
„Danke.“ Ich lehnte mich gegen sie und nahm die Hände vom Gesicht. „Wie konnte mich das alles nur so schnell wieder einholen?“, flüsterte ich matt.
„Es hat dich nicht eingeholt. Es war die ganze Zeit da.“ Sie lächelte. „Du solltest dankbar für die schönen Erinnerungen mit Jan sein.“
„Wahrscheinlich. Aber manchmal wenn ich darüber nachdenke, könnte ich ihn einfach nur...argh.“ Ich ballte die Hände zu Fäusten und musste dann grinsen. „So ein Depp.“
„Ja, so einen hab ich auch“, seufzte Ira lächelnd. „Aber glaub mir, das sind die Besten.“
„Vielen Dank auch.“ Jan stand an den Türrahmen gelehnt da und streckte Ira die Zunge raus. Sie schnitt eine Grimasse zurück, stand dann wortlos auf und ging. Jan kam herein und schloss die Tür hinter sich.
„Na, wieder beruhigt?“
„Na, wieder eins auf die Nase bekommen?“ Ich rückte ein Stück, damit er sich setzen konnte, was relativ überflüssig war, da das Bett die Ausmaße eines Fußballfeldes hatte.
„Ich wollte nicht, dass sowas passiert. Eigentlich hatte ich mit dem Gegenteil gerechnet.“ Er hob entschuldigend die Schultern und ließ sie wieder fallen.
„Schon gut. Tut mir leid, dass ich dich so angefahren habe. Aber ich scheine ja eh alles falsch zu machen, falsch zu verstehen, falsch zu denken.“ Ich seufzte. „Was soll ich bloß tun?“
„Es ginge viel leichter, wenn du nicht versuchen würdest, alles logisch zu erklären und auszuklügeln.“
„Leichter gesagt als getan.“
„Probier es doch mal. Was würdest du zum Beispiel jetzt gerne tun?“
„Na ja, wir sind hier auf einer Party, also nehme ich an...“
Ich wurde von Jans Gelächter unterbrochen.
„Du nimmst an? Du nimmst an was du willst? Komm schon, Silja. Du nimmst an, was du zu wollen hast. Das war aber nicht die Frage. Was willst du? Ist doch ganz einfach.“
„Ich will ins Bett und Schokolade essen“, murmelte ich.
„Na siehst du.“
„Außerdem will ich, dass die Leute aufhören mir zu sagen, ich solle nicht immer nur nach Verstand handeln.“
„Äh...“
„Und ich will, dass die alten Police Academy Filme wieder kommen! Die habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Stattdessen zeigen sie die dreimillionste Wiederholung von Pretty Woman. Muss denn das sein?“
„Äh...okay.“ Jan tätschelte beruhigend meine Schulter. „Das war doch ganz gut für den Anfang.“
„Hm“, machte ich. „Fühlt sich gut an.“
„Na also.“
„Und was willst du?“, fragte ich und schaute Jan von der Seite an.
„Ich? Am liebsten würde ich jetzt mit dir nach Hause gehen, mit der Gewissheit dass ich dich nie wieder hergeben muss und keine Prügel mehr beziehe, weil du die Freundin von einem anderen bist. Um es kurz zu machen: Ich will dich.“
„Sagt dir das dein Herz oder dein Verstand?“
„Mein Herz.“
„Und was sagt dir dein Verstand?“
„Dass ich ein Idiot war und ich dich gar nicht verdient habe und dass er mir gewaltig in den Hintern tritt, falls ich eine eventuelle zweite Chance vergeigen sollte.“
„Ah ja.“ Ich grinste breit und tippte Jan an die Stirn. „Ich mag deinen Verstand.“
„Wir haben schon eine Menge zusammen durchgemacht, oder?“, murmelte Jan nach einer Weile des Schweigens. Ich nickte nachdenklich.
„Aber es gibt viel zu viel, was wir noch nicht getan haben“, flüsterte ich. Jan zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Liegt hauptsächlich daran, dass du fünf Jahre lang nicht abkömmlich warst.“
„Wird mir das ewig nachhängen?“, stöhnte Jan leidend.
„Und wie.“
„Verdammt. Und mir gehen jetzt schon die Entschuldigungen aus.“
„Keine Entschuldigungen mehr.“ Ich hob den Kopf und lächelte ins Leere. „Vergeben und vergessen. Ich will mir nicht irgendwann vorwerfen müssen, wegen meiner Bitterkeit das aufgegeben zu haben, was mir am meisten bedeutet.“
„Hat dir das dein Herz oder dein Verstand gesagt?“, wollte Jan leise wissen.
„Ich würde sagen, das war eine Kooperation.“
„Ich werde dir nie wieder so etwas antun, Silja.“
„Ich weiß.“ Ich wandte meinen Blick Jan zu und schaute ihm in die Augen. Und in dem Moment wusste ich es wirklich.
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