VIII. If you forgive me all this, if I forgive you all that


„Vielleicht wär die Schweiz wirklich ganz nett.“ Ich tippte auf ein Hotel in Genf, das in dem Katalog, den ich auf den Knien hatte illustriert war. „Man könnte von dort aus auch mal rüber nach Frankreich, Lyon oder Grenoble. Soll ja eine schönes Gegend sein, die französischen Alpen.“
„Du willst im Sommer in die Berge?“, wollte Ira ungläubig wissen.
„Ja klar. Die Jungs können sich ihre Rollerski mitnehmen und wir legen uns in die Sonne oder gehen schwimmen oder so.“
„Klingt eigentlich gar nicht schlecht“, räumte Ira ein und ließ sich von mir den Katalog geben. Die Jungs selber waren gerade nicht abkömmlich, sie hatten intensives Lauftraining und nachher auch noch Sprungtraining. Ira und ich hatten uns bereit erklärt, ihnen dabei zuzuschauen. Doch bis es soweit war, vertrieben wir uns die Zeit mit der Urlaubsplanung.
„Petter würde es bestimmt auch gefallen“, überlegte ich, woraufhin Ira die Augenbrauen hochzog.
„Du gehst davon aus, dass er mitkommt?“
„Warum denn nicht?“
„Manchmal frag ich mich, ob du nicht überschätzt wirst“, zog sie mich auf. Ich warf ein Sofakissen nach ihr und brachte damit die letzte Topfpflanze in ihrer und Torkilds Wohnung ums Leben.
„Okay, dann nennen wir ihn halt Mister X. Oder ich nehm niemanden mit“, meinte ich schulterzuckend.
„Ach was, wenn Petter ausrangiert wird, springt Magnus bestimmt für ihn ein, oder so“, erwiderte Ira zuversichtlich.
„Ausrangiert? Er ist doch kein Eisenbahnwaggon.“
„Okay. Sollte deine Liebe mit Petter auf tragische Weise zerbrechen wie eine Welle an den Klippen finden wir bestimmt Ersatz.“
„Du bist unverbesserlich“, lachte ich und versuchte, die Topfpflanze zu reanimieren. Schließlich entschloss ich mich aber doch dazu, sie einfach in den Mülleimer zu werfen.
„Wir könnten auch gleich nach Frankreich fahren“, rief Ira mir zu, während ich in der Küche hantierte. „In die Provence oder so. Fréjus, Cannes, Nizza, Lloret de Mar.“
„Lloret liegt in Spanien“, belehrte ich sie und setzte mich wieder neben sie.
„Wusste ich“, behauptete Ira und zeigte mit ein Ferienhaus in Fréjus. „Regarde, quelle ville! Belle, n’est-ce pas?“
„Man sieht doch nur das Haus.“
„Weiß ich, was Haus auf Französisch heißt?“
„Maison.“
„Egal, du hast es verstanden, richtig?“ Leicht entnervt tippte Ira auf das Ferienhaus. „Und?“
„Ja, ist ganz hübsch“, meinte ich schulterzuckend. „Aber ich weiß nicht, ob ich in eine Gegend will, wo man sich barfuss die Füße verbrennt.“
„Geht das auch, wenn man nicht barfuss ist?“, wollte Ira wissen.
„Du weißt, was ich meine.“
„Ja. Und ich wäre auch mit Bergen zufrieden.“ Sie angelte sich einen weiteren Katalog, den Torkild anscheinend schon in den Klauen gehabt hatte, denn überall klebten Post-its.
„Gut, dass dein Freund so wählerisch ist“, witzelte ich.
„Du kannst dir ja vorstellen, wir lange wir vor dem Milchregal stehen.“ Ira entfernte ein paar Klebezettel und schmiss sie weg. „Das fällt dem eh nicht auf“, erklärte sie mir auf einen verwirrten Blick hin. „Der markiert jedes Hotel, bei dem das Wort „Bar“ auftaucht.“
„Als Jan zehn war, wollte er unbedingt mal nach Jokkmokk. Er hatte das auf irgendeiner schwedischen Landkarte entdeckt. Als ich ihn gefragt hab, wieso, meinte er, weil ihn Orte faszinieren, die viermal den gleichen Konsonanten im Namen haben.“ Ich grinste bei der Erinnerung und Ira prustete los.
„Spinner.“
„Und wie.“
„Wie lange kanntet ihr euch eigentlich genau, bevor er...gegangen ist?“
„Zehn Jahre“, antwortete ich prompt und lächelte dann verlegen. „So eine Zahl kann man sich leicht merken.“
„Ja, klar.“ Ira schlug den Katalog zu und sah mich an. „Erzähl mir etwas von ihm. Warum du ihn so mochtest, oder was auch immer.“
„Hmm“, machte ich und dachte eine Weile nach. „Er hat jeden Morgen in meinem Klassenraum auf mich gewartet, damit wir uns noch ein bisschen unterhalten konnten vor dem Unterricht. Nach der Schule haben wir uns immer bei einem von beiden getroffen, auch schon bevor wir zusammengekommen sind. Er hat mir Tricks bei Videospielen beigebracht und ich habe ihm beim Deutschlernen oder so geholfen. Wir haben immer irgendwas gefunden. Wenn er Training hatte, war ich meistens dabei. Es war die Selbstverständlichkeit, mit der wir so lebten, die immer dafür gesorgt hat, dass ich mich geborgen und sicher gefühlt hab. Jan war immer für mich da, er wusste immer genau, wenn etwas nicht stimmte. Und umgekehrt genauso. Ich liebte dieses Gefühl, dass er mir gab, dass ich für ihn die wichtigste Person auf der Welt war. Und trotz der Selbstverständlichkeit war ich immer aufgeregt und ungewöhnlich glücklich, wenn ich bei ihm war. Es war genauso, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Das klingt jetzt bestimmt alles total doof, aber es war fast zu schön um wahr zu sein. Unsere Freunde haben immer Sprüche gerissen, weil es uns nur im Doppelpack gab. Die Mädchen in der Schule, die in Jan verliebt waren, haben sich kaum an ihn rangetraut, weil immer klar war, dass er zu mir gehörte und ich zu ihm. Das war halt so, wir haben nie wirklich darüber gesprochen oder nachgedacht.“
„Kanntet ihr euch gut? Also, wusstet ihr viel voneinander?“
„Ja, schon. Er hat sogar rausbekommen, gegen welche Pflanzen ich allergisch bin.“
„Im Ernst?“
„Ja“, lächelte ich. „Das hat er mir neulich erzählt.“
„Habt ihr euch nie eingeengt gefühlt?“, wollte Ira wissen.
„Damals nicht, nein. Heute wäre das wahrscheinlich auch ein bisschen anders. Aber als Kind denkt über Begriffe wie Intimsphäre und persönlicher Freuraum noch nicht allzu intensiv nach.“ Ich verzog das Gesicht und zuckte mit den Schultern.
„Silja? Kann ich dich etwas fragen?“
„Ja.“
„Ich will eine ehrliche Antwort.“
„Versprochen.“
„Bist du sicher, dass du Jan für Petter aufgeben willst?“
„Nein“, gab ich zu. „Nein, ich bin mir nicht sicher. Nicht mehr.“

Eine Stunde später machten wir uns auf den Weg zur Schanze, wo die Jungs heute alle zusammen trainierten. Immerhin dauerte es nicht mehr allzu lange bis zum Saisonauftakt und da sollte wohl so etwas wie Einheit in das Team gebracht werden. Und da noch nicht feststand, wer überhaupt alles im Team sein würde, hatte man einfach mal alle möglichen Athleten hergekarrt.
Als wir ankamen, saßen die ersten Springer schon auf dem Bakken und testeten die Schanze, auf der ein wenig nachgeholfen worden war. Der Winter versprach mal wieder eine Herausforderung zu werden.
Ira und ich gingen zum Auslauf und lehnten uns da auf die Bande. Die Springer, die ganz zu Beginn runterkamen, kannten wir nicht. Wahrscheinlich kamen die meisten aus Lillehammer. Ira und ich registrierten die Sprünge zwar und tippten darauf, dass sie zur Auswahl für Vancouver gehörten. An Springer wie Petter jedenfalls kamen sie noch nicht heran.
„Hey, Schatz.“ Anstatt zum Ausgang zu gehen, kam Torkild zu uns, nahm seine Brille ab und küsste Ira auf die Lippen. „Schön, dass ihr es geschafft habt. Wie sieht es mit der Urlaubsplanung aus?“
„Torkild?“ Jan kam zu uns und drückte ihm das Funkgerät in die Hand. „Für dich.“
„Aam!“, krächzte schon eine wütende Stimme in der Leitung. „Beweg deinen Hintern zur Videoanalyse, klar?“
„Jawoll, Chef!“ Torkild drückte Jan das Gerät wieder in die Hand und nahm dann die Beine in die Hand. Ich schaute Jan an.
„Musst du nicht springen?“
„Doch. Später. Im Moment sind gerade die Jungs von Byåsen dran.“ Er lauschte auf einen Funkspruch der reinkam und deutete dann auf die Schanze. „Petter springt.“
Ira und ich schauten brav nach oben und verfolgten einen recht ordentlichen Sprung von Petter. Als dieser im Auslauf ankam, zeigte er kurz den gereckten Daumen in irgendeine Richtung und drehte sich dann zu uns um.
„Schmid, umziehen“, rief er Jan zu und stapfte dann davon.
„Ob die sich je grün werden?“, flüsterte Ira amüsiert.
„Ich weiß nicht mal, ob ich das will“, gab ich grinsend zurück und beobachtete, wie Petter und Jan Seite an Seite in irgendeine Richtung gingen. „Als Freunde sind die beiden bestimmt richtig gruselig.“
„Ja“, stimmte Ira mir zu. „Außerdem ist Torkild dann traurig.“
Ich lachte und applaudierte Magnus, der gerade gesprungen war und sich nun galant in unsere Richtung verbeugte.
„Irene hat’s gut“, murmelte ich. „Keiner würde sich freiwillig mit Magnus anlegen. Da wüsste jeder Mann, dass er automatisch den Kürzeren ziehen würde.“
„Wie jetzt, hast du einen Schwäche für unseren Magnus?“, zog Ira mich auf und stieß mir lachend in die Seite.
„Nicht im geringsten“, meinte ich. „Ich bin nur generell etwas frustriert was mein Liebesleben angeht. Deswegen suche ich nach den Dingen, die andere haben und ich nicht. Wie zum Beispiel eine glückliche Beziehung.“
„Deine Beziehung ist doch in Ordnung...bis jetzt“, entgegnete Ira.
„Mein Freund und mein Ex gehen regelmäßig aufeinander los. Irgendwas muss da doch falsch laufen. Eigentlich könnte Jan Petter doch egal sein. Ich meine, Jan ist mein früherer Freund, na und? Er hat selber gesagt, dass er damit an sich kein Problem hat.“
„Ja, dummerweise wohnst du mit diesem Ex-Freund zusammen und selbiger will dich zu allem Überfluss auch noch zurück. Da darf ein Mann schon ein wenig nervös werden.“
„Aber muss er ihn deswegen mit Christbaumkugeln und Keksen abwerfen, ihn im Tamponkostüm eine runterhauen und ihn in meinem Wohnzimmer beinahe erwürgen?“
„Wenigstens kannst du ihm nicht vorwerfen, er wäre nicht originell.“ Ira grinste und legte mir dann einen Arm um die Schultern. „Ich hoffe dir ist klar, dass du das beenden kannst.“
„Ich?“
„Ja, klar. Wenn du einfach mal sagen würdest, was Sache ist. Solange du einen nicht klar in die Schranken weist, werden die sich ewig aufführen wie tollwütige Platzhirsche.“
„Verdammt.“ Ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich muss doch in die Schweiz.“
„Um Jan seine eigene Medizin schlucken zu lassen?“
„Nein, um die beiden loszuwerden.“
„Aha.“ Ira schüttelte den Kopf und schaute hoch zur Schanze. Am Auslauf befand sich irgendwie keiner mehr, machten die alle gerade Mittag oder was? Nur noch ein, zwei Betreuer standen neben der Schanze, schienen aber auch nicht allzu interessiert.
„Wenn jetzt was passiert“, meinte Ira scherzhaft. In dem Moment startete der Springer, ging in die Hocke, sprang ab, wurde von einem Windstoß erwischt, fiel vorne über und überschlug sich den gesamten Hang hinab, bis er schließlich an der Hillsize-Linie regungslos liegen blieb.
„Ich hab nichts gesagt“, murmelte Ira, doch ich war schon auf dem Weg zu dem regungslosen Springer. Ich war über die Bande gesprungen und raste jetzt zu ihm, in der Hoffnung, dass ich mich geirrt hatte. Dass er nicht den Helm trug, über den ich jedes Mal stolperte, wenn ich Jans Zimmer betrat.
Ich kniete mich neben ihn in den Schnee und fasste ihn vorsichtig an den Schultern. Auf dem Ski, der neben ihn lag, stand Jans Name. Ich schluckte.
„Jan?“ Ich entdeckte Blut im Schnee und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Hoffentlich war ihm nichts Schlimmes passiert.
Jan stöhnte und drehte sich vorsichtig auf den Rücken. Sein Gesicht war voller Blut und als er sich mit der Hand darüber wischte, färbte sich auch diese tiefrot.
„Oh verdammt“, murmelte er und schob die Zunge vor die obere Zahnreihe.
„Was tust du da?“
„Ich stelle sicher, dass noch alle meine Zähne da sind. Meine Zähne sind mein Kapital“, antwortete er und ich musste mich zusammenreißen, um ihm keine zu verpassen. Es konnte immerhin der Schock sein und er war gar nicht so bekloppt wie er mir gerade erschien.
Er wollte sich aufsetzen, doch ich hielt ihn an den Schultern fest.
„Nicht bewegen, sonst...“
„...verletz ich mich noch?“ Jan grinste, was irgendwie grotesk aussah mit all dem Blut und setzte sich dann doch auf.
„Bitte, Jan, sei vorsichtig“, sagte ich mit zittriger Stimme. Er stütze sich auf meiner Schulter ab und betastete vorsichtig seine Rippen.
„Oha, das gibt blaue Flecken“, stellte er fest. Im nächsten Moment verdrehte er die Augen und sackte zusammen. Sein Oberkörper sank gegen meine Schulter und ich hatte alle Mühe, ihn aufrecht zu halten.
In dem Moment ertönte auch schon die Sirene des Krankenwagens und einige Minuten später wurde ich barsch von Jan weggestoßen und sah dabei zu, wie er auf eine Trage gelegt und festgeschnallt wurde. Er war mittlerweile wieder bei Bewusstsein und reckte den Daumen, bevor er eingeladen und die Tür geschlossen wurde.
„Komm, ich hab Toris Autoschlüssel.“ Ira stand plötzlich neben mir und packte mich am Ärmel. „Wir fahren ins Krankenhaus. Aber vorher holen wir dir eine neue Jacke.“
Ich schaute an meiner Schulter herab und stellte fest, dass Jan einen großen Blutfleck auf meiner Jacke hinterlassen hatte. Also ließ ich mich in Torkilds Auto verfrachten, zu mir nach Hause bringen, mich in eine neue Jacke stecken und dann zum Krankenhaus fahren. Ich bekam von alldem kaum etwas mit. Ich starrte auf meine Hände, an denen sich auch noch Jans Blut befand und betete, dass es ihm soweit gut ging.
„Komm schon, wenn Petter ihm nichts anhaben konnte, wird diese Schanze ihm ja wohl erst recht nichts können“, versuchte Ira mich aufzuheitern. „Wenn Petter ihn allerdings darunter geschubst hat, tja, dann...“
„Nicht witzig“, unterbrach ich sie, musste aber grinsen. Ira fuhr auf den Krankenhausparkplatz und wir gingen zur Rezeption.
„Ach, Sie wieder?“, begrüßte uns die Rezeptionistin. „Schon wieder Ihr Freund?“
„Er ist nicht...“, setzte ich an, doch Iras Augenrollen ließ mich verstummen.
„Ja“, antwortete Ira. „Können wir zu ihm?“
„Natürlich. Er liegt wieder im selben Zimmer. Anscheinend hat er wirklich mehr Glück als Verstand.“
„Wem sagen Sie das“, murmelte ich und Ira und ich gingen zum Fahrstuhl.
Kurze Zeit später standen wir in Jans Zimmer. Diesmal schien er weniger lebhaft als beim letzten Mal, er lag still mit blassem Gesicht da und hielt sich den Kopf, als er sich aufrichtete. Wenigstens hatten sie ihm das Blut abgewischt.
„Das war nur Naseblut“, erklärte er auf meinen fragenden Blick hin. „Das was du übrigens noch an den Händen hast. Du solltest dir das abwaschen, Silja. Und guck nicht so, es geht mir gut. Nur ein paar Prellungen und mein Hirn wurde ein bisschen durchgeschüttelt, aber wie du weißt gibt es da nicht mehr viel zu beschädigen. Spätestens morgen kann ich dir wieder auf die Nerven gehen, es sei denn Petter findet raus wo ich bin und nutzt die Chance, ich will nicht wissen was man so alles in einen Infusionsbeutel kippen kann wenn ich schlafe.“ Er stockte und schluckte. „Würdest du eventuell heute Nacht hier bleiben? Ich hab mir gerade selbst ziemlich Angst gemacht.“
Ohne Vorwarnung schluchzte ich auf und fiel Jan um den Hals.
„Au, au, au, au, au!“, wimmerte er. „Silja, ganz ruhig, was ist denn?“ Er legte seine Arme um mich und rückte ein bisschen zur Seite, sodass ich mich auf die Bettkante setzen konnte.
„Ich hab mir solche Sorgen gemacht“, murmelte ich und drückte mich noch fester an ihn.
„Das ist lieb, Silja, aber bitte, ich habe zehn angeknackste Rippenpaare, obwohl ich nichtmal wusste, dass ich so viele Rippen habe. Sei so gut und lass los, ja?“
Ich nickte verlegen und ließ Jan endlich frei. Dieser griff nach meinen Händen und drehte sie mit forschendem Blick.
„Ist etwas?“, wollte ich wissen.
„Nein. Aber du solltest sie wirklich waschen.“
„Stimmt.“ Ich stand auf, ging ins Bad und wusch mir ausgiebig das Blut von den Händen. Es war gut zu wissen, dass es Jan soweit gut ging. Es war wirklich ein Schock gewesen, ihn fallen zu sehen. Ich hatte noch nie so viel Angst in meinem Leben gehabt.
Als ich in den Spiegel schaut, stellte ich erstaunt fest, dass ich weinte. Und ich hatte keine Ahnung warum. Vor Erleichterung? Aus Schuldbewusstsein?
Ich wollte mir das Gesicht waschen und wieder zu den anderen beiden gehen, doch ich konnte nicht aufhören zu weinen. Mein Gott, er hatte wirklich erst einen Berg runterfallen müssen, damit mein Herz die Oberhand übernehmen konnte. Wobei es sich streng genommen eher um einen Hügel als um einen Berg gehandelt hatte.
Immer noch weinend setzte ich mich auf den Boden, lehnte mich an die Wand und zog die Knie an, da ich sonst keinen Platz in dem kleinen Kabuff gehabt hätte.
Plötzlich ging die Tür auf und Jan kam herein. Er schien nicht einmal erstaunt darüber, dass ich hier heulend auf der Erde hockte. Er setzte sich einfach neben mich und starrte die Tür an.
„Ira holt euch was zu essen“, sagte er schließlich.
„Okay.“
„Geht es dir gut?“
„Ja. Ich denke schon.“ Ich seufzte und wischte mir übers Gesicht.
„Silja ich...also...danke, dass du gekommen bist...schon wieder.“ Er spielte an seiner Trainingshose herum und runzelte nachdenklich die Stirn. „Obwohl ich es dir nicht leicht mache. Besonders wegen Petter und so.“ Er grinste schief. „Seltsam. Genau deswegen liebe ich dich so sehr. Weil du so ein gutes Herz hast, dass du mich niemals im Stich lassen würdest, egal wie bescheuert ich mich benehme.“ Wieder verstummte er für eine Weile. „Ich weiß, dass es meine Schuld ist, was passiert ist. Mir ist sehr wohl klar, dass ich mich nicht wundern muss, wenn du mich nicht mehr um dich haben wollen, geschweige denn lieben würdest. Aber ich will, dass du wenigstens weißt, dass du mir immer noch alles bedeutest. Und dass ich dich nie wieder im Stich lassen werde. Und dass ich, egal weswegen du gerade weinst, ich für dich da sein werde um dir zu helfen.“ Er schaute mich von der Seite an. „Also?“
Ich erwiderte seinen Blick, sagte aber nichts. Eine Weile starrten wir uns einfach nur stumm an.
„Oje“, murmelte Jan plötzlich.
„Was?“
„Petter wird mich umbringen.“
„Wieso?“
„Deswegen.“ Er nahm vorsichtig mein Gesicht in die Hände und küsste mich auf die Lippen. Ich schloss die Augen und merkte, wie die Tränen versiegten.
„Ich sehe“, meldete sich Ira zu Wort, die grinsend in der Tür stand. „Wir nähern uns dem Ende.“
layout code by outoftheline at chaste.design. host: myblogTexture and Brushes by Gender
Gratis bloggen bei
myblog.de