Kapitel 2


Tag 2, Samstag


Olli erwachte mit ziemlichen Nackenschmerzen und es dauerte eine Weile, bis ihm wieder einfiel, warum genau er auf dem Sofa lag. Dann wanderte sein Blick zur Schlafzimmertür. Da sie offen stand, stand er auf um nachzusehen, ob Sade noch da war.
Sie lag schlafend auf der Wandseite des Bettes und hatte die Decke bis zur Nase hochgezogen. Olli grinste nur und schlich wieder hinaus. Er nahm sich seine Zigaretten von der Theke und ging auf die Veranda.
Wie schon die Tage zuvor war das Wetter hervorragend, warm und wolkenlos. Er zündete sich eine Zigarette an und sah zum See hinunter. Bei den Temperaturen verbrachte man den Tag am besten im Wasser. Sobald Sade weg war, würde er hinunter gehen und mit dem Boot rausrudern.
Oder sollte er sie vielleicht mitnehmen? Sie machte nicht den Eindruck, als hätte sie in letzter Zeit viel Ruhe gehabt. Er konnte sie doch einladen, zumindest ein paar Tage hier zu bleiben. Vielleicht würde er dann auch irgendwann rauskriegen, was zur Hölle sie eigentlich alleine mit einem riesigen Rucksack hier in der Gegend machte. Das hätte er nämlich nur zu gerne gewusst.
Er wandte dem Haus den Rücken zu und sah hinunter in den Wald. Wenn es heute abend nicht wieder regnen würde, könnte er doch auf der Veranda von der Sauna unten am See grillen. Das wäre doch ein schöner Einstieg in seinen erholsamen Urlaub.
Es war Samstag, er müsste also heute noch dafür einkaufen. Er musste zugeben, das war nicht gerade seine Lieblingsbeschäftigung. Auch zu Hause nicht. Seit er in seiner eigenen Wohnung lebte, war der Pizzabote sein bester Freund geworden. Er kannte sogar den Vornamen des Jungen. Ab und zu hatten auch mal andere Schicht, aber meistens fand er sich Jani gegenüber, wenn er die Tür öffnete.
Ob Sade gut kochen konnte? Es würde ihn zwar einige Ruhe und Einsamkeit kosten, aber immerhin würde er nicht elendig im Wald verhungern.
Olli schämte sich einen Moment lang für den Gedanken, sie derart ausnutzen zu wollen. Dann rief er sich in Erinnerung, dass er schon weitaus schlimmeres getan hatte und sein Gewissen war beruhigt. Hinzu kam, dass er ihr ja auch was bieten würde. Ein Dach über den Kopf, Essen, seine Gesellschaft.
Er grinste dümmlich vor sich hin. Was dachte er hier eigentlich? Er kannte das Mädchen weder besonders gut, noch mochte er sie. Jedenfalls nicht in dem Sinne, in dem er ein Mädchen zu mögen hatte. Zu allem anderen war in zehn Jahren noch genug Zeit. Außerdem konnte sie ja wer weiß wie alt sein. Er hatte das noch nie richtig einschätzen können.
Aber zum Glück war sie ja sowieso nicht sein Typ.
Beruhigt drückte er die Zigarette in einem Aschenbecher aus und drehte sich um. In dem Moment kam Sade aus der Haustür. Ihre dunklen Haare waren zwar zu einem Zopf gebunden, was sie aber nicht davon abhielt auszusehen wie nach einem Sturm. Sie trug das Jokerit-Shirt und Shorts und ihr blasses Gesicht war total zerknautscht. Die braunen Augen wirkten müde und ruhelos.
Definitiv nicht sein Typ.
Sade rieb sich die Augen und versuchte zu lächeln. „Guten Morgen“, murmelte sie.
„Moin. Gut geschlafen, Prinzessin?“
„Hätte besser sein können“, stichelte sie. „Und Ihr, mein Prinz?“
„Du kannst mich mal. Komm, wir frühstücken.“
„Nein, danke, weißt du, ich wollte eigentlich gleich los.“ Sade zuckte mit den Schultern. „Ich kann dir ja nicht ewig zur Last fallen.“
„Red keinen Unsinn und komm mit.“ Olli packte ihren Arm und zog sie mit sich ins Haus. Sade folgte ihm verwirrt. Sie setzte sich in einen Sessel und sah zu, wie Olli Brot toastete, diversen Aufstrich aus dem Kühlschrank holte und Besteck auf die Theke legte. Schließlich grinste er stolz. „Es ist angerichtet.“
Sade stand wortlos auf und stellte sich neben ihn. Olli legte zwei Scheiben Brot auf ihren Teller und schob einen weiteren Teller mit Pullat in die Mirkowelle.
„Ich schulde dir was“, murmelte Sade und begann langsam zu essen.
„Ich komm drauf zurück“, erwiderte Olli und ihm fiel sofort etwas ein. „Komm mit mir einkaufen. Dann sind wir quitt und du kannst gehen wohin du willst.“
„Das ist alles?“
„Ja.“
Lächelnd schüttelte Sade den Kopf. „Du bist wirklich seltsam.“
Olli nickte nur und gab das Kompliment nicht zurück, auch wenn es so war. Sie war verdammt seltsam. Irgendetwas an ihr – und es war noch nicht mal der Umstand, dass sie ums Verrecken nicht verraten wollte, was sie hier machte.
Aber egal. Das musste sie wissen, es ging ihn ja auch eigentlich nichts an. Ihre Wege hatten sich nur durch Zufall gekreuzt und würden sich in wenigen Stunden wieder trennen. Wahrscheinlich würde er sie nie wiedersehen.
Olli holte den Teller aus der Mirkowelle und zuckte gleichgültig die Schultern. Sie war eh nicht sein Typ.

Nach dem Frühstück räumten sie gemeinsam auf und zogen sich an. Sade packte ihre Sachen zusammen und endlich machten sie sich auf den Weg ins Dorf. Wenn sie es recht in Erinnerung hatte, würde in etwa einer Stunde ein Bus nach Kouvola fahren.
Olli trug ihren Rucksack zum Auto und verstaute ihn auf dem Rücksitz, während Sade auf dem Beifahrersitz Platz nahm. Sie beobachtete Olli wie er einstieg und losfuhr. Seine Haare fielen ihm in die Augen und sie hatte plötzlich das Bedürfnis, bei ihm zu bleiben. Die letzte Nacht war die erste seit langem gewesen, die sie komplett durchgeschlafen hatte. Sie hatte keine Alpträume gehabt oder sich die ganze Zeit hin und her geworfen. In der Hütte fühlte sie sich sicher, sie lag weit genug abseits von allem. Außerdem wäre sie dann nicht mehr alleine.
Sade unterdrückte einen Seufzer und starrte aus dem Fenster. Keine Zeit für Träumereien, befahl sie sich selbst. Ich werde es auch alleine schaffen.
Olli drehte die Musik leiser und sah sie kurz an. „Einen Penny für deine Gedanken, Prinzessin.“
„Ich habe nur überlegt, was ich unten im Süden machen werde“, meinte Sade. Falls ich soweit komme, fügte sie in Gedanken hinzu.
„Wenn du mal nach Helsinki kommst, besuch mich“, schlug Olli ohne nachzudenken vor. Erst, als die Worte draußen waren, fragte er sich, warum er sie überhaupt gesagt hatte. Sie klangen so leer wie alle Höflichkeitsfloskeln und das ärgerte ihn. „Wirklich“, setzte er dann hinzu. Er kramte in seiner Hose nach seinem Portmonee und zog eine Visitenkarte heraus, die er mal aus Spaß gemacht hatte. Sie hatte als Hintergrund eine nackte Frau und die Schrift verdeckte gerade das Nötigste, aber das war ihm jetzt egal.
Sade schaute die Karte an und zog die Augenbrauen hoch. „Ich glaube, das überleg ich mir noch“, meinte sie, musste aber lächeln.
„Wenigstens versteck ich meine Vorlieben nicht“, verteidigte Olli sich. „Aber du musst dir keine Sorgen machen. Du wirst schon keine Visitenkarte.“
„Wenn schon, dann doch bitte ein Poster“, witzelte Sade und steckte die Karte ein. Olli grinste anzüglich und zwinkerte ihr zu.
„Eine Fototapete, Baby.“
Sade lachte auf und schüttelte den Kopf. Olli streckte ihr die Zunge raus und kniff ihr in den Oberschenkel, wodurch Sade nur noch mehr lachen musste.
„Wirst du wohl aufhören!“, forderte er spielerisch.
„Na gut“, kicherte Sade und versuchte, ihn ernst anzusehen. „Ich hoffe, das wird wenigstens eine geschmackvolle Tapete. Nicht so eine...“
„Ruhe jetzt!“, donnerte Olli lachend und bog auf den Parkplatz des Supermarktes ab. „Es tut mir leid, du wirst auch keine Tapete.“
„Gut.“
„Ich bring dich um und lass dich ausstopfen. Hauptsache, du bleibst ruhig.“
Noch bevor Sade nach ihm schlagen konnte, war Olli aus dem Auto ausgestiegen. Sade folgte ihm in den Laden.
„Du hast keine Manieren“, warf sie ihm vor.
„Brauch ich nicht, ich seh doch blendend aus.“
„Dass ich nicht lache“, brummte Sade und Olli zog ihr eine Gurke über den Kopf.
„Ich dulde keine Zweifel.“
„Und anscheinend auch keine Spiegel.“
„Vorsicht, Prinzessin, sonst geb ich Euch noch zur Jagd frei“, witzelte Olli. Sade riss die Augen auf und sah ihn erschrocken an, doch dann fing sie sich wieder. Schnell drehte sie sich von ihm weg und tat, als würde sie das Milchregal untersuchen. Olli runzelte die Stirn.
„Ist was?“, wollte er wissen.
„Nee, nee“, wehrte sie hastig ab. „Alles klar.“
Doch Olli ließ sich nicht so leicht abwimmeln. Er nahm ihrem Arm und drehte wie wieder zurück. Sade hatte den Blick auf den Boden geheftet und machte keine Anstalten, Olli anzusehen.
„Bist du in Schwierigkeiten?“, fragte Olli und Sade war von seinem Ton überrascht. Er klang ernst, fast fordernd aber auch besorgt. Doch alles, was sie tun konnte, war die Schultern zu zucken. „Mensch, Sade“, flüsterte Olli und sie stellte fest, dass er das erste Mal ihren Namen benutzte. „Sag doch was.“
„Die Milch ist im Sonderangebot“, brachte Sade hervor und musste schlucken, damit ihre Stimme nicht brach. Olli schüttelte den Kopf, aber ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Wie du meinst“, sagte er und ließ endlich ihren Arm los.
Sie besorgten alles, was Olli brauchte und er bestand darauf, ihr ein wenig Proviant für den Weg nach Kouvola zu kaufen. Sade nahm das Angebot dankend an und ließ sich auf dem Parkplatz von Olli eine Tüte mit Wasser, Brot, ein bisschen Obst und Keksen in die Hand drücken.
Sie wiederum stopfte die Tüte in ihren Rucksack und hievte ihn aus dem Auto.
„Die Bushaltestelle ist ein Stück die Straße lang“, erklärte sie dann.
„Ich bring dich hin“, bot Olli an und sie machten sich auf den Weg. „Schon irgendwelche Pläne für Kouvola?“, wollte er wissen.
„Gar keine. Ich weiß nicht mal, wohin ich danach fahre.“ Sade zuckte mit den Schultern. „Wie gesagt, komm mal nach Helsinki“, wiederholte Olli und sah sie ernst an. „Das ist eine ziemlich große Stadt, weißt du.“
„Danke.“ Sade strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr und senkte den Kopf. „Vielleicht ist das gar keine so schlechte Idee. Helsinki ist schön.“
„Meine Rede.“ Olli stieß sie freundschaftlich an. „Und ich hab genug Platz. Übrigens, meine Tapete ist weiß.“
Sade lachte und strich kurz mit der Hand über seinen Arm. „Nochmals danke, mein strahlender Ritter.“
„Alles für Euch, Prinzessin.“
Sade lächelte und wischte sich über die Stirn. Es war wieder genauso warm wie am Vortag und sie schwitzte jetzt schon. Hoffentlich war der Bus klimatisiert. Wenigstens war sie so umsichtig gewesen, Shorts anzuziehen.
Schließlich kamen sie an der Bushaltestelle an. Sade überflog schnell den Plan und stellte fest, dass der Bus bereits in fünf Minuten kommen würde. Der Einkauf hatte doch länger gedauert als erwartet. Aber ihr war es nur recht. Sie stand sowieso nicht gerne alleine an Bushaltestellen rum. Auch wenn sie gerne noch ein bisschen mehr Zeit mir Olli verbracht hätte. Aber es war besser, wenn sie so schnell wie möglich Richtung Süden aufbrach.
„Und wann bin ich dich endlich los?“, fragte Olli.
„In etwa fünf Minuten.“
„Na dann. Ich hoffe, du findest im Süden dein Glück.“
Sade lächelte mit einer Spur von Bitterkeit. „Das hoff ich auch. Genieß deine Ferien.“
„Ich versuch es. Aber immerhin fehlt mir weibliche Gesellschaft.“
„Dafür gibt’s doch die Tapete“, zog Sade ihn auf.
„Alles klar.“ Olli schaute sie verlegen an. „Machs gut, Sade.“
„Du auch.“ Sie machte einen Schritt auf ihn zu, doch Olli war schneller und nahm sie fest in den Arm. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und hielt sich an ihm fest. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf seinen Herzschlag.
„Sicher, dass du nicht noch ein paar Tage bei mir bleiben möchtest?“, nuschelte Olli in ihr Haar. Sade nickte stumm. „Okay“, meinte er daraufhin. „Dann pass auf dich auf, Prinzessin.“
„Das werde ich“, versprach sie. Dann lösten sie sich voneinander und Olli machte sich auf den Weg zurück zu seinem Auto.
Sade blickte ihm so lange hinterher, bis sie ihn gar nicht mehr sehen konnte. Eine Weile später fuhr er mit dem Auto an ihr vorbei und winkte ein letztes Mal.
Als Olli weg war, hatte sie Angst.

Er spielte mit dem Gedanken umzudrehen, Sade wieder einzupacken und aus ihr rauszuquetschen, was genau los war. Sie hatte sich mehr als merkwürdig verhalten. Fast so, als würde sie tatsächlich vor irgendetwas weglaufen. Aber was sollte das denn bitte sein?
Die Zuhältertheorie schlug Olli sich sofort wieder aus dem Kopf und auch politische Verfolgung schien ihm recht unwahrscheinlich.
Vielleicht hatte sie auch einfach die Schnauze von ihm voll gehabt und war deswegen schnellstmöglich aufgebrochen. Auch wenn er das nicht so recht glauben konnte. Sie hatte er den Eindruck gemacht, als wäre das Gegenteil der Fall.
„Weiber“, brummte Olli missmutig. Er fragte sich wirklich, woher dieser Beschützerinstinkt kam. Bei Sade hatte er unweigerlich das Gefühl, sich vor sie stellen zu müssen, um drohende Gefahr abzuwenden. Nicht, weil sie ein besonders verletzliches Äußeres hatte, das bestimmt nicht. Sade war ziemlich groß für ein Mädchen und in physischer Hinsicht kein Schwächling, soviel hatte selbst Olli erkannt. Aber da war etwas in ihren Bewegungen, in ihren Augen, in ihrem Verhalten. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er das Gefühl gehabt, den großen Bruder mimen zu müssen, um sie in Sicherheit zu wiegen.
Eine plötzliche Unruhe kam in ihm auf. War es falsch gewesen, sie zurückzulassen? Sicher, sie hatte darauf bestanden, weiterzufahren. Aber wäre es nicht seine Aufgabe gewesen, sie davon abzuhalten?
Das war doch lächerlich. Er wusste ja nicht mal ihren Nachnamen. Ihr Weg hatte sich zufällig für eine kurze Zeit gekreuzt und jetzt war es für beide an der Zeit, ihr Leben wie gehabt weiterzuführen.
Möglicherweise war es das Beste, wenn er seinen Urlaub abbrach und heute abend noch mit seinen Jungs feiern ging. Das konnte er jetzt gut gebrauchen, Ablenkung. Ruhe und Einsamkeit brachten ihn nur zum Nachdenken, was ja bekanntlich alles andere als gesund war.
Gerade, als er alle Einkäufe im Kühlschrank verstaut hatte, unabhängig davon, ob sie dort irgendetwas zu suchen hatten, klingelte sein Handy. Olli ließ sich auf einen Sessel fallen und nahm ab.
„Ja?“
„Olli? Ich bin’s, Jenna.“
Jenna?, dachte Olli und runzelte die Stirn. Kurze Rekapitulation...half nichts, er kam einfach nicht darauf, mit wem er gerade redete.
„Hi, wie geht’s dir?“, fragte er aufgesetzt fröhlich.
„Gut. Ich war gerade Mittagessen mit einer Freundin. Und dir?“
„Bestens“, antwortete Olli knapp. Wieso glaubte Jenna, wer auch immer sie war, es interessierte ihn, mit wem sie wann Nahrung aufnahm?
„Warum ich anrufe“, schnatterte Jenna weiter, „heute abend ist eine Party in Töölö, willst du nicht mit?“
„Sorry, geht nicht“, antwortete Olli sofort.
„Oh.“ Jenna klang ehrlich enttäuscht. „Ach so.“
„Ich bin in Mikkeli, im Mökki“, erklärte Olli um des lieben Frieden willen. „Wenn du willst, geb ich dir die Nummer von einem Kumpel.“
„Nein, danke“, meinte Jenna. „Dann viel Spaß noch in Mikkeli. Meld dich doch mal, wenn du wieder da bist.“
Wohl kaum, dachte Olli.
„Na klar“, antwortete er und legte auf.
Nachdem er eine ganze Weile über sich selbst, Jenna und Sade nachgedacht hatte, entschied er, dass es an der Zeit war, schwimmen zu gehen. Beim Verlassen des Hauses warf er einen kurzen Blick auf die Uhr. Sade war bereits seit zwei Stunden unterwegs. Es würde nicht mehr allzu lange dauern, bis sie in Kouvola ankommen würde. Fast hoffte er, sie würde sich melden, wenn sie sicher angekommen war. Doch er sah ein, dass das mehr als unwahrscheinlich war. Also schmiss er sich in seine Badehose, sprühte sich intensiv mit Mückenspray ein und machte sich auf den Weg zum See.
Eigentlich wäre es keine schlechte Idee, den Grill runter zur Sauna zu tragen und am Abend ein paar Würstchen zu grillen. Er konnte sich erst in der Sauna entspannen und es sich dann kulinarisch gut gehen lassen. Helsinki lief ihm nicht weg, wenn er wollte, konnte er immer noch am nächsten Tag nach Hause fahren.
Olli ging den Steg entlang, setzte sich ins Ruderboot, machte es von einem der Holzpfähle los und fuhr ein Stück auf den See hinaus. Die Mücken waren wirklich eine Plage, doch hielten sich weitestgehend von ihm fern.
Irgendwann hakte er die Ruder ein und sprang kopfüber ins Wasser. Es war ziemlich warm aber immer noch eine Abkühlung. Die Lufttemperaturen waren ja auch wirklich zum Eingehen.
Er paddelte eine Weile vor sich hin, tauchte, ließ sich auf dem Rücken treiben und starrte in den Himmel. Enttäuscht musste er feststellen, dass aus seinen Grillplänen wohl nichts werden würde, denn ein paar Kilometer entfernt sah er Regenwolken heranziehen.
Dann würde er sich den Abend eben mit Fernsehen vertreiben. Er hatte zur Sicherheit auch ein paar DVDs mitgenommen. Zur Not könnte er auch nach Mikkeli fahren und sich dort welche ausleihen.
Das war doch mal eine Idee. Hauptsache Beschäftigung, dachte Olli sich und kletterte ins Boot zurück. Er ruderte ans Ufer, befestigte das Seil und ging wieder an Land.
Als er die Sauna im Haus vorheizte und vom Wohnzimmerfenster aus zusah, wie der Regen erbarmungslos anfing zu fallen, entschied er sich dafür, erst am nächsten Tag nach Mikkeli zu fahren.
Dann dachte er wieder an Sade. Wie sie bei dem miesen Wetter in ihrem Zelt lag und sich vom Rhythmus des Regens in den Schlaf plätschern ließ. Na ja, wenigstens fror sie nicht. Wahrscheinlich war eher das Gegenteil der Fall.
Hoffentlich war sie überhaupt in Kouvola angekommen. Ihr konnte ja sonst was passiert sein. Gegen seinen Willen fing Olli an, sich die abenteuerlichsten Dinge auszumalen, die mit Sade passiert sein konnten. Dummes Ding, wäre sie doch bei ihm geblieben. Eine Sorgenfalte bildete sich auf Ollis Stirn. Nicht, dass er das Gefühl wirklich kannte, aber er fühlte sich, als wäre seine kleine Schwester zum ersten Mal alleine unterwegs. Er machte sich wirklich ein bisschen Sorgen.
Und warum zur Hölle rief sie nicht an?
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