FinIsland
°Joona°

Ich öffnete langsam meine Augen und stöhnte leise auf. Mir tat wirklich jeder Knochen im Leib weh.
„Endlich.“ seufzte jemand neben mir auf. „Ich dachte schon, du willst hier überwintern.“
„Jenna?“
Ich setzte mich auf und bemerkte, dass ich im Sand lag und vor mir der Ozean lag.
Scheiße! Wie komme ich den bitte hier her?
Das letzte an das ich mich erinnern konnte, war dass ich neben Jenna im Flugzeug saß und wir uns über ein paar blonde Typen lustig gemacht hatten….
Oh Nein.
„Jenna, sind wir abgestürzt?“ betreten sah ich zu meiner besten Freundin, die mit den Schultern zuckte.
„Entweder das, oder dies ist der realste Traum, den ich jemals hatte.“
„Scheiße!“
„Du sagst es.“
Ich sah mich um, doch das einzige, was ich entdecken konnte, war das Wasser vor, der Strand links und rechts von mir und der Urwald hinter mir.
„Hast du ’n Plan, wo in etwa wir sind?“ Jenna grinste mich an. „Ich schätze, auf einer Insel irgendwo zwischen Deutschland und New York.“
Ich verdrehte die Augen. „Darauf währe ich jetzt auch nie gekommen. Ist eigentlich alles klar bei dir?“
Sie tat als müsste sie es erst nachprüfen und nickte dann.
„Mir tut zwar alles weh, ich bin nass und hungrig, aber ansonsten geht es mir gut. Und bei dir?“
„Hmm“, murmelte ich vor mich hin. „Ich hab Sand an den Unmöglichsten Stellen und ich hab keine Klamotten zum wechseln, aber sonst geht es mir, den umständen entsprechend gut.“
Jenna nickte und stand dann auf. „Ich schätze, wir sollten nach überlebenden, Eingeborenen, Essen oder Kleidung suchen.“
Sie klopfte sich den Sand von der Jeans und ich tat es ihr nach.

„Fuck Joona, da liegt einer!“
Jenna und ich waren einfach am Strand entlang gegangen und hatten mittlerweile einen Koffer und zwei Sporttaschen gefunden, die wir noch genauer untersuchen wollten.
Erschrocken liefen wir beide auf den leblosen Jungen zu.
„Is’ dir klar, das ich noch nie ne Leiche gesehen hab?“
Jenna sah mich schief an, zog eine Augenbraue hoch und beugte sich dann über den Typen, während ich mich auf der anderen Seite neben ihn Kniete.
„Du wirst auch so schnell keine zu Gesicht bekommen, der Typ lebt noch!“
Ich grinste kurz.
„Siehst du, war der Erste-Hilfe-Kurs ja doch zu was gut!“
Sie zuckte mit den Achseln und ging zum Meer um etwas Wasser zu holen.
Ich sah mir in der zwischen Zeit den Typen etwas genauer an.
Er hatte ein sympathisches Gesicht, strubbelige braune Haare und war nur etwa 2-3 Jahre älter als ich.
Jenna klatschte ihm eine Ladung Wasser ins Gesicht und der Junge fing sofort an zu husten.
Dann fing er an irgendwas in irgendeiner Sprache vor sich hin zu babbeln.
Jenna und ich sahen uns an und zuckten gleichzeitig mit den Schultern.
Der Junge hatte mittlerweile wohl kapiert, dass wir ihn nicht verstanden und fragte uns nun auf Englisch:
„Was ist passiert?“
„Du bist abgestürzt!“ Erklärte ich ihm schlicht.
„Ich bin was?“
„Abgestürzt, fehl gelandet, vom Himmel gefallen, du bist…“ „Joona!“ unterbrach mich Jenna, als sie sah, dass der Junge nicht wirklich Gesund aussah.
„O Je, ich glaub ich muss…“ Und schon war er in Richtung Wald gelaufen und entleerte dort jetzt seinen Mageninhalt.
„Ich bin übrigens Janne.“ erklärte er uns, als er wieder eine normale Gesichtsfarbe hatte.
„Joona!“ „Jenna“ stellten wir uns vor.

° Jenna°

Der Typ grinste breit.
„Hey, du kannst die Vokale in unseren Namen vertauschen, dann heißen wir gleich.“
Ich zog die Augenbrauen hoch. Hatte der zu viel Salzwasser geschluckt?
„Erstens: Ich kann es auch lassen und zweitens: Hast du keine größeren Sorgen?“
„Im Moment nicht, nein.“
Joona sah mich an und ich wusste, was sie mir mit dem Blick sagen wollte:
Was für ein Vollpfosten. Aber süß isser.
Ich nickte zustimmend.
„Komm schon, Meister der Buchstaben, wir gucken uns ma ein bisschen um.“
Janne nickte und folgte uns ein Stück, als er plötzlich über einen Stein stolperte.
„Voi paska!“, stieß er hervor und Joona und ich sahen uns an. Natürlich!
„Sinä olet suomalainen!“, sagte ich sofort, nachdem uns ein Licht aufgegangen war.
„Kyllä“, erwiederte Janne perplex. „Puhutte te suomea?“
„Hiukan. Englantainen on parempi.“
„Okay, dann halt so. Aber woher könnt ihr das?“
„Es ist ein gottgegebenes Talent, dass wir die ungewöhnlichtsten Sprachen der nördlichen Erdhalbkugel seit unserer Geburt perfekt beherrschen, ohne sie einmal gehört zu haben. Wir haben’s gelernt, du Trottel.“ Joona rollte mir den Augen und ich grinste breit.
„Natürlich“, murmelte Janne eingeschnappt. „Es ist ja auch nix besonderes. Alle deutschen Mädchen, die mir nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel begegnen können Finnisch sprechen, das mir das entfallen war...“
„Witzig“, machte Joona und ich kriegte mich gar nicht wieder ein.
„Wartet“, sagte ich schließlich. „Wir könnten uns doch mal die Taschen vornehmen, die wir entdeckt haben. Da is bestimmt was interessantes drin. Essen, Kleidung, ne Telefonnummer von einem Typen im heiratsfähigen Alter...“
Janne sah mich entsetzt, Joona eher zustimmend an. Also ließ ich die Tasche, die ich mit mir rumschleppte, auf den Boden fallen, zog den Reißverschluss auf und suchte nach nix bestimmten. Die Tasche gehörte eindeutig einem Typen, der sich für meinen Geschmack ziemlich normal kleidete.
„Etwa Anfang zwanzig“, analysierte ich. „Interessiert sich für Sport, bestimmt nicht schlecht gebaut. Wenn nicht schon etwas zu dünn. Blond. Nicht gerade ein offener Typ, hat bestimmt undurchdringliche Augen, vermutlich blau. Aber das Lächeln haut einen um.“
„Sag mal, Jenna, woran erkennst du das alles bitte?“, wollte Joona wissen. Daraufhin hielt ich ihr den Ausweis und ein paar Fotos, die aus der Brieftasche des Typen stammten, unter die Nase.
„Und den Namen kann ich dir auch sagen“, grinste ich. „Veli-Matti Lindström. Bin ich gut, oder was?“
Joona grinste zurück und Janne schnappte sich den Ausweis. Plötzlich wurde er leichenblass.
„Mußt du schon wieder kotzen?“, fragte ich vorsichtshalber.
Doch Janne antwortete nicht. Er starrte nur wie hypnotisiert auf das Bild. Ich stand auf und ging zu ihm. Jetzt sah ich, dass diese Veli auch aus Finnland war. Und auch ungefähr Jannes Alter hatte.
„Oh Gott. Du kanntest...kennst den Typen, oder?“
„Ja. Habt ihr...ist er...“
„Nein“, rief ich schnell. „Wir haben nur die Tasche gefunden. Kein Veli weit und breit.“
Janne nickte und sah wieder auf das Bild. Ich nahm ihn den Ausweis weg und nahm ihn in die Arme.
„Ihm ist nix passiert. Ich spüre das. Er ist hier irgendwo. Ich wittere gut aussehende Typen auf drei Kilometer gegen den Wind.“
Janne lachte leise und ich ließ ihn wieder los.
„Ich bin dafür, wir bleiben heute Nacht hier“, meinte Joona todernst. „Uh, man, das wollte ich schon immer mal sagen“, freute sie sich dann. Janne und ich lachten auf und beschlossen, Velis Handtücher und die aus den anderen beiden Koffern zum Schlafen zu nehmen. Wir machten es uns so gut wie möglich bequem und legten uns hin.
„Woher wusstest du eigentlich, dass wir aus Deutschland kommen?“, fragte Joona Janne.
„War nur geraten. Aber es hörte sich vorhin irgendwie so an.“ Er sah mich an. „Gott sei Dank dachtet ihr nicht, ich wäre tot, ne?“
Joona und ich liefen knallrot an.
„Du hast das gehört?“
„Du hast das verstanden?“
Janne grinste.
„Ja, schon. Ich hab ein paar Freunde, die Deutsch sprechen.“
„Oh man, dann müssen wir uns aber ganz schön zurückhalten“, witzelte Joona und ich nickte bekräftigend.
Wir redeten noch ein bisschen , quetschten Janne aus und schließlich ging uns die Energie zum reden aus. Also schliefen wir ein.
Mitten in der Nacht wachte ich jedoch auf, weil ich ein doch relativ dringendes Bedürfnis verspürte. Also ging ich in den nächsten Busch.
Als ich zurück kam hörte ich plötzlich etwas im Unterholz knacken. Starr vor Schreck blieb ich stehen und lauschte. Janne und Joona lagen etwa zwanzig Meter von mir entfernt. Ich versteckte mich hinter einem Baum, oder so und wartete ab. Das einzelne Knacken wurde zu Schritten, die immer näher kamen. Und auf einmal kam ein Schatten aus dem Busch direkt vor mir. Todesmutig und mit einem lauten Schrei stürzte ich mich auf das, was da vor mir stand und fiel damit zu Boden. Dummerweise stieß das etwas ebenfalls einen Schrei aus, der doch recht menschlich klang. Wir rollten ein Stück über den Boden und schließlich saß ich auf dem, was sich nun im Mondlicht als Junge rausstellte. Und zwar nicht als irgendeiner, sondern als Mister Veli-Matti Lindström höchstpersönlich. Ich war so geschockt, dass ich nichts sagen konnte, außer:
„Du bist ja gar kein Tier!“
„Ja, sieht so aus, ne?!“
Ich starrte ihn weiter an und Veli starrte weiter zurück, bis es ihm zu bunt wurde. Er packte mich um die Hüften, schob mich von sich runter, stand auf und riss mich schwungvoll vom Boden hoch.
„Wenn du willst, kannst du jetzt weiter gucken wie ein Elch, aber ich gehe“, meinte er.
„Nein, warte.“ Ich sah mich um und entdeckte die anderen beiden unweit von uns entfernt liegen. „Jannäää! Dein komischer Kumpel ist hier.“
„Hey!“, protestierte Veli.
„Jannäää!“, rief ich erneut.
Endlich richtete dieser sich schläfrig auf und auch Joona schien wieder wach.
„Mikä hätänä?“, murmelte Janne.
„Red Englisch, hölmö! Ich sagte, Veli ist hier.“
„Woher kennst du meinen Namen?“
Ich grinste Veli breit an.
„Von deinem Ausweis. Nettes Foto übrigens, bist du immer so brutal fröhlich?“
„Nerv nicht.“
„Oh man, war doch nur ne Frage. Zicke.“
Veli fiel alles aus dem Gesicht.
„Hast du mich gerade Zicke genannt?“
„Ja, Zicke, das hab ich. Wie sonst kann man nen Miesepeter wie dich nennen?“
„Miesepeter?“
„Ui, jetzt seht euch dieses schlagfertige Bürschchen an. Irre, wie wortgewandt.“
„Gott, hoffentlich ist diese Insel groß genug, dass ich dich nie mehr wiedersehen muss.“
„Wow, da sind wir einer Meinung.“
„Soll ich mich jetzt freuen, oder was?“
„Nein, von mir aus kannst du auch einfach sterben gehen.“ Ich sah ihn spöttisch an. „Von wem ist eigentlich diese Boxer mit den Schweinchen? Ist deine Freundin so geschmacklos?“
„Falls es dich interessiert, ich hab keine Freundin und die Shorts sind von meiner Mutter.“
„Nein.“
„Nein, was?“
„Nein, es interessiert mich nicht.“
„Oh, du...“
„Ruhe.“
„Was?“
„Du sollst die Klappe halten.“
„Von dir lass ich mir doch nicht den Mund verbieten, du aufsässiges Stück.“
„Gut, dann laber halt weiter, wenn du unbedingt willst, dass Janne und Joona wieder aufwachen.“
„Bitte, die schlafen wieder?“
„Wir haben sie in den Schlaf gesabbelt.“
Veli und ich grinsten uns an und auf einmal hielt er mir die Hand hin.
„Tut mir leid, ich bin nur etwas genervt. Und bitte, nenn mich Vellu.“
„Mir tut’s auch leid. Ich bin Jenna.“
„Hey, wenn du die Vokale vertauschst, dann...“
„Ich weiß“, unterbrach ich ihn. „Glaub mir, ich weiß es.“

°Joona°

„Au!“
Irgendjemand hatte mir gerade ziemlich unsanft einen Finger in die Seite gestochen und fuchtelte nun in meinem Gesicht rum.
„Lass mich verdammt noch mal schlafen, oder ich mach Hackfleisch aus dir und esse dich hinterher.“
„Ich bezweifele, dass du auch nur das Feuer anbekommst, und roh bin ich ziemlich ungenießbar!“
„Dir auch einen ‚Guten Morgen’ Janne!“ Ich streckte mich und rieb mir dann meine Augen.
Boah, ich hatte überall Sand!
„Ich glaub, die haben gestern Abend nicht mehr lange gestritten.“ schmunzelte Janne und zeigte auf Vellu und Jenna, die nebeneinander auf einem riesen Handtuch lagen.
„Na ja, sagen wir es mal so, sie haben sich zumindest nicht umgebracht!“
Janne lachte und verstummte prompt, als sein Magen anfing zu knurren.
„Ich hab Hunger.“
„War kaum zu überhören.“ Zog ich ihn auf. „Ich brauch eher was zum Anziehen, und dann etwas zum Essen!“
„Lass uns etwas jagen gehen!“ Ich schüttelte entschieden den Kopf.
„Ich will was Vegetarisches!“ Janne sah mich mit einem verständnislosen Blick an.
„Wie?“
„Ich esse kein Fleisch und ich werde auch hier nicht damit anfangen!“
„Und was willst du dann essen?“
„Kokosnüsse? Und Beeren?“
„Na wenn dich das glücklich macht! Ich geh was jagen!“
Er stand auf und wollte anscheinend Richtung Urwald laufen.
„Du kannst mich doch nicht mit diesen beiden Streithähnen alleine lassen! Außerdem, was ist wenn du dich verläufst?“
„Du bist ne Nervensäge, hat dir das schon mal einer gesagt?“
Ich grinste. „Danke, gleichfalls!“
„Und was soll ich jetzt anziehen?“
Janne verdrehte die Augen. „Bleib doch in dem was du anhast.“
Ich seufzte.
„Glaub mir Janne, es gäbe nichts was ich nicht lieber täte, aber dummerweise sind diese Sachen völlig voller Sand und ich glaube das Salzwasser von gestern hat ihnen nicht wirklich gut getan!“
„Okay, dann gucken wir doch mal, was die anderen Koffer zu bieten haben.“
Mit ein paar schnellen Schritten war Janne bei einer der Sporttaschen angelangt und wühlte jetzt nach Herzenslust darin herum.
„Hier, das könnte dir passen!“ Er hielt mir eine viel zu große Baggy hin, schnappte sich aus Vellus Sachen einen Gürtel und dann noch ein T-Shirt von Vellu, da er meinte, dass mir die eher passen würden, als die Sachen von dem XXL Mann, dem die andere Sporttasche gehörte.
Nur mit der Unterwäsche mussten Jenna und ich uns schleunigst was einfallen lassen.
Ich würde jedenfalls nicht mit Vellus Boxers rum laufen.
Nachdem ich mich umgezogen hatte und Janne sich von seinem Lachflash, den er bei meinem Anblick erlitten, hatte beruhigt hatte, konnte es also losgehen.

„Und wie willst du die ARMEN Tiere fangen?“ Ich kletterte Janne hinterher, der sich seinen weg zielsicher durch das Unterholz Bahnte.
„Weiß nicht“, Er zuckte mit den Schultern, „Vielleicht bau ich mir nen Speer!“
Ich lachte und bekam prompt von dem vor mir laufenden Janne einen Ast ins Gesicht gedonnert.
„Au! Trotzdem, du willst ein Tier jagen gehen und hast nicht einmal einen Plan, wo du einen Speer herbekommen willst! Man du bist n Held!“
Ich fing wieder an zu lachen und Janne drehte sich empört zu mir um.
„Gleich jage ich dich! Du hast gut lachen, Pflanzen laufen ja auch nicht weg!“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust.
„Du würdest doch nicht einmal ein Tier erlegen, wenn es gefesselt vor deinen Füßen liegen würde!“
Er verdrehte die Augen und grinste dann.
„Halt einfach die Klappe! Ich will jagen!“
Ich schüttelte den Kopf. „Das schaffst du doch eh net!“
„Halt!“ Janne wurde plötzlich ernst, hielt mich am Ellbogen fest und zog mich auf die Knie.
„Was is’“ wollte ich protestieren, doch Janne hielt mir einfach den Mund zu.
„Hör mal!“
Gemeinsam lauschten wir und hörten ein paar Menschen auf uns zukommen.
„Eingeborene!“ flüsterte Janne aufgeregt.
Ich grinste, lugte zwischen den Ästen hindurch und fing laut an zu lachen.
„Bist du bescheuert, oder was? Was ist, wenn die uns hören?“
Janne sah mich völlig geschockt an, während sein Gesichtsausdruck mich nur noch mehr zum lachen brachte.
Man, der Junge hatte es echt voll drauf.
„Nen mich bescheuert, aber das“ Ich deutete durch die Büsche auf die drei Personen. „Sind keine Eingeborenen!“
Die drei jungen Männer, übrigens alle blond, die sich wohl hoffnungsvoll verlaufen hatten, passten mit ihren Klamotten eher in eine größere Stadt, als in ein kleines Dorf, auf einer Verlassenen Insel.
Es sei den, es gab hier Szeneläden…. Man weiß ja nie, wo die Herstellungsorte sind….
„Axu?“ Janne war aufgesprungen und lief nun auf die drei Personen zu und – legte sich erst einmal lang.
„Janne?“ Alle drei Jungen liefen auf ihn zu. Ich von der anderen Seite auch.
„Du kennst die drei?“ Erstaunt sah ich Janne an, der sich langsam wieder aufrappelte.
„Jep, sie kommen auch aus Finnland!“
Ich seufzte auf. „Es gibt doch einen Gott!“
Ich glaub, ich bin im Himmel.
Auf einer einsamen Insel, mit lauter Gutaussehenden Finnen im Heiratsfähigem alter , wie Jenna sich wieder ausdrücken würde.
„Was?“ Alle vier sahen mich fragend an.
Ich schüttelte den Kopf.
„Nichts!“
„Joona, das sind Axu, Pekka und Matti! Jungs, das ist Joona. Sie und ihre Freundin Jenna haben mich am Strand gefunden.“
Alle drei begrüßten mich und guckten dann wieder ernst zu Janne.
„Vellu, Jussi?“ fragte Axu leise.
Janne nickte und sah dann traurig in Richtung Matti.
„Ja, aber nur Vellu.“
„Is er?“ Keiner traute sich weiter zu fragen.
„Nein! Er lebt und er streitet. Ich glaub er hat irgendetwas auf den Kopf bekommen!“

„Jenna hier sind noch mehr Finnen!“ rief ich Jenna zu, als wir wieder am Strand ankamen.
Zu Fünft hatten wir noch Kokosnüsse und irgendwelche Früchte gesammelt.
Tiere hatten die Jungs nicht gefangen.
Zum Glück!

°Jenna °

War ich jetzt total bekloppt? Ich hätte schwören können, Joona hatte mir gerade zugerufen, dass sie noch mehr Finnen gefunden hatte.
So ein Blödsinn. Wo sollte die denn in Mitteldeutschland Finnen auftreiben?
Ich bewegte mich und ein Schmerz schoss durch meinen Rücken. Warum in drei Teufelsnamen lag ich auf dem Boden?
Schwerfällig öffnete ich die Augen. Bäume? In meinem Zimmer? Und wer war dieser blonde Typ neben mir? Und wer waren diese überwiegend blonden Typen bei Joona?
UND WOHER KAMEN ALL DIESE BÄUME?
Jetzt regte sich auch der Kerl neben mir, auf dessen Arm ich lag.
„ Hyvää huomenta““, murmelte er und schlug die Augen auf. Als er mich entdeckte schaute er etwas verwirrt.
„Selber morgen“, erwiderte ich.
„Jenna, hast du gehört?“, rief Joona und ich drehte den Kopf zu ihr.
„Was denn?“
„Ich hab noch mehr Finnen aufgegabelt.“
Okay. Ganz ruhig. Das war nur ein Traum. Und ein ziemlich bescheuerter noch dazu. Na geilo.
„Ja, ja, is klar“, murmelte ich. Hm. Wenn das ein Traum war, dann konnte ich doch bestimmt auch finnisch, wie der Typ neben mir.
Moment. Finnisch? Finnen? Der Absturz. Janne. Vellu. Der Streit.
Das war gar kein Traum!
„JENNA!“
„WAS DENN?“
„Steht jetzt endlich auf.“
Ich stöhnte nur und richtete mich auf.
„Ich will aber nicht. Ich lieg hier ganz gut.“
„Kann ich mir vorstellen“, grinste Janne, der neben Joona stand.
„Klappe, Janne“, murrte ich. Plötzlich sprang Vellu auf und rannte zu Janne, Joona und den drei anderen Typen und fing an, auf Finnisch zu labern.
Nicht zu fassen. Die hatte wirklich Finnen gefunden. Was war denn das bitte für ne durchgeknallte Insel?
Missmutig stand ich auf und ging zu den anderen.
„Jenna, das sind Pekka, Matti und Axu“, stellte Janne vor.
„Angenehm“, sagte ich knapp. Ich war noch zu beschäftigt damit, geschockt zu sein.
„Jungs, das ist Jenna. Mit der hatte Vellu gestern Nacht einen riesen Krach.“
„Oh ja, Janne, das wird sie jetzt brennend interessieren“, spottete ich.
„Ich finde, wir sollten erstmal essen“, befand Joona. Also schoben wir uns die Früchte und den Rest rein, den die fünf gefunden hatten.
„Was gäbe ich jetzt für ein Salamibrötchen“, seufzte ich irgendwann.
„Spinnst du?“, meinte Joona. „Das arme Tier!“
„Ach ja, aber der Palme war begeistert, dass ihr ihr die Nüsse abgerissen habt, oder was?“, gab ich zurück. Daraufhin war Joona still.
„Euch ist nicht zufällig ein blonder Typ über’n Weg gelaufen, bevor ihr mich gefunden habt, oder?“, fragte Janne.
Joona und ich sahen uns an, sahen Axu, Vellu und Pekka an, sahen wieder uns an und dann Janne. Irgendwie schienen hier fast alle blond zu sein.
„Er ist Mattis Bruder“, erklärte Janne weiter. Unsere Blicke wanderten zu Matti, der nun wirklich eine Menge war, aber nicht blond.
„Nein. Nein, nicht dass ich wüsste“, murmelte ich. Ich verkniff mir die Bemerkung, dass ich einen jungen, blonden Typen mit Sicherheit bemerkt, gefangen, gefesselt und nicht wieder gehen gelassen hätte. Besonders nicht, wenn er Ähnlichkeit mit Matti hatte, der nun wirklich nicht schlecht aussah. Mal von der Glatze abgesehen. Aber man musste zugeben, dem Klima hier hatte er damit richtig in den Arsch getreten, während ich unter meiner Matte doch fast zuviel bekam. Besonders, weil ich alles über 25° schon fast als unmenschlich empfand. Und ganz schlimm war es, wenn ich mich auch noch bewegen musste.
„Ich finde, wir sollten ihn suchen“, meinte Axu.
NEIN! Ich würde mich nicht auf einer tropischen Insel der Sonne zum Fraß vorwerfen, ganz bestimmt nicht, nur über meine Leiche...


„Geht’s noch?“
Vellu sah mich halb besorgt, halb belustigt an. Ja, ha ha, Hauptsache du hast Spaß. Drecksack. Wir hatten die Sachen zusammen gepackt und latschten jetzt schon seit drei Stunden durch die Botnik. Langsam bekam ich einen Krampf.
„Hmpf“, machte ich und ging etwas schneller, um mit ihm mitzuhalten. Er lachte und ich schlug ihm meinen Ellenbogen in die Rippen. Vellu blieb die Luft weg und ich grinste zufrieden unter einem Meer aus Schweiß, das mein Gesicht herabrann.
„Leute, seid ihr noch ganz sauber? Wollt ihr euch jetzt hier prügeln, oder was?“, fragte Janne, der das Ganze anscheinend beobachtet hatte.
„Nein, damit warten wir, bis nicht jede Bewegung einen Kreislaufkollaps nach sich zieht.“
„Stimmt“, bestätigte Vellu.
„Na toll. Ich denke, ihr habt euch vertragen.“
„Wer setzt denn solch üble Gerüchte in die Welt?“, fragte Vellu empört. Ich schmiss mich voll weg und Janne schüttelte entnervt den Kopf.
„Geht bloß wieder in die Anstalt zurück, aus der ihr ausgebrochen seid.“
„Ruhe. Reden. Verbraucht. Energie.“, keuchte Joona, die auch schon ziemlich platt aussah. Schließlich kamen wir alle zu dem Schluss, dass wir eine Pause machen sollten. Pekka und Axu, die noch immer voller Power zu sein schienen, machten sich auf die Suche nach einem Fluss oder so, er Süßwasser führte, während wir anderen es uns auf dem Boden bequem machten. Der arme Matti schaute die ganze Zeit drein, als ob er kurz vor seiner Hinrichtung wäre.
„Es geht ihm bestimmt gut“, meinte Vellu und klang dabei fest überzeugt.
„Hoffentlich“, murmelte Matti traurig.
„Du brauchst ne Ablenkung“, befand ich und sah in de Gegend umher. Mein Blick blieb an Janne hängen, der gerade sein T-Shirt auszog. Ich zog eine Augenbraue hoch.
„Also daran hab ich jetzt nicht gedacht, Janne.“
Janne riss seinen Kopf hoch und sah mich irritiert an.
„Was?“
„Vergiss es.“
Vellu und Joona beömmelten sich erstmal und sogar Matti rang sich ein Grinsen ab. Janne wurde knallrot und kapierte gar nix mehr.
„Was denn?“, fragte er den Tränen nahe. Doch bevor jemand erklären konnte, dass sein Strip gerade nicht gerade die beste Idee zur Ablenkung war, kam Axu auf uns zu und hüpfte aufgeregt auf und ab.
„Schnell. Ihr müsst...Wir haben...los jetzt!“ Und schon war er wieder weg. Wir standen auf und wollten ihm hinterher.
„Janne“, erinnerte Joona ihn grinsend. Er blieb stehen und sah sie fragen an.
„Was?“
Sie grinste nur noch mehr.
„Dein T-Shirt.“

„Was habt ihr denn nun?“, fragte Vellu Axu, als wir bei einem Fluss unweit unserer „Raststätte“ ankamen. Axu sagte nix sondern zeigte nur auf einen Stein. Darauf saßen Pekka und ein blonder Typ, der nur Boxers trug.
„Jussi!“, brüllte Matti und rannte zu seinem Bruder. Joona und ich tauschten einen Blick aus und ich glaube, wir waren uns einig:
Bemerkt, gefangen, gefesselt und nicht wieder gehen gelassen.
Man, war der lecker.
Jussi schaute in unsere Richtung und winkte fröhlich. Janne und Vellu gingen jetzt auch zu ihm, also folgten Joona und ich ihnen unauffällig.
„Das sind Joona und Jenna“, stellte Janne uns höflicherweise vor.
„Hi. Ich bin Jussi“, sagte dieser und gab uns die Hand.
„Stellt euch vor, der war hier schwimmen“, meinte Pekka.
„Und wir suchen dich wie die bekloppten.“ Ich schüttelte den Kopf.
„Bei dem Wetter? Seid ihr irre?“
„Genau das hab ich auch gedacht“, murrte ich und ließ mich neben Jussi auf den Stein fallen, sprang jedoch sofort wieder auf. „Verflucht, ist das heiß!“
„Leute, wir sollten uns langsam mal Gedanken machen, wie es weiter geht“, meinte Axu ernst.
„Na ja, also ich geh nicht davon aus, dass wir hier so schnell wegkommen“, bemerkte Joona trocken.
„Das heißt, wir sollten uns hier erstmal häuslich einrichten und zusehen, dass wir ein paar nützliche Dinge finden.“
„Ne Höhle wär nicht schlecht.“
„Und was zu Essen brauchen wir.“
„Aber keine Tiere!“
„Was denn sonst?“
„Egal, aber keine Tiere!“
Das ging noch eine Weile so hin und her, bis wir Gruppen bildeten. Matti und Pekka wollten den Wald nach Gepäckstücken absuchen, Axu und Janne wollten Essen suchen und Joona begleitete sie um aufzupassen, dass sie nichts mitbrachten, woraus man Steak machen konnte. Also machten Vellu, Jussi und ich uns auf, um in der Nähe des Flusses eine Höhle oder so zu finden.
Wir trotteten los, alle in verschiedene Richtungen. Ich ging ein Stück hinter Vellu und Jussi, die sich in unregelmäßigen Abständen unterhielten.
„Mistä te oikein omnistatte tytöt?“, fragte Jussi irgendwann. Ich musste mir echt das Grinsen verkneifen. Armer Irrer, er hatte ja keine Ahnung.
„Ne olette löytäneet Janne ja sitten Jenna on hakanut anna“, antwortete Vellu.
„Mitä?“
„Erehdyksessä.“
„On söpö.“
Vellu zuckte nur die Schultern.
„Voi olla. Mutta hän puhut aivan liian.”
“Kiitos, hölmö”, warf ich ein. Ich hatte zwar nicht viel verstanden, aber dass Vellu fand, dass ich zu viel redete hatte ich sehr wohl mitbekommen.
Jussi und Vellu sahen beide gleichermaßen geschockt aus.
„Hast du uns gerade verstanden.“
„Jedes Wort“, meinte ich. Stimmte zwar so nicht ganz, aber fast.
„Oha“, machte Vellu.
„Das kannst aber laut sagen.“ Ich schob die Unterlippe vor und ging an ihm und Jussi vorbei. Man, tat das gut. Die sollten bloß nicht glauben, dass sie alles sagen konnten, was sie wollten ohne dass wir sie verstanden. Wenn sie was zu sagen hatten, dann bitte ins Gesicht. Oder wenigstens heimlich. Trottel...

Einige Stunden und etliche Liter Schweiß später kamen wir wieder an dem Stein an. Wir hatten tatsächlich eine Höhle gefunden und auch die anderen waren nicht minder erfolgreich gewesen. Ich musste Joona erstmal erzählen, was vorhin passiert war und Janne, der zuhörte, lachte Jussi und Vellu aus. Dann brachen wir zur Höhle auf, also wieder schwitzen. Toll.
Es war bereits dunkel, als wir dort ankamen und Joona und ich beschlossen erstmal in den Fluss zu springen. Dann trockneten wir uns ab, zogen uns um und setzten uns zu den Jungs, die in der Höhle ein Feuer gemacht hatten. Ich kam mir vor, wie der letzte Neandertaler.
Wo sollte das bloß enden?
°Joona°

Ich ließ mich neben Jonna fallen, die sich etwas abseits von uns hingesetzt hatte und brachte ihr eine der Kokosnüsse mit, die ich hatte retten können.
Die anderen hatten die Jungs gegrillt.
„Ich komm wir vor wie so’n Steinzeitmensch.“ murmelte ich, als ich ihr die Nuss reichte.
„Ich weiß, was du meinst!“
Leise seufzte ich auf.
„Meinst du, dass wir hier irgendwann noch einmal wegkommen?“
Jenna zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, pieniokainen. Aber sieh es doch mal von der andern Seite, es hätte schlimmer kommen können. Wir könnten hier genauso gut mit irgendwelchen Polen, Türken oder Russen sitzen. Stattdessen sitzen wir hier mit 6 schnuckeligen, männlichen Finnen.“
Wir lachten beide.
„Na siehst du und schon ist es nicht mehr so schlimm!“ Sie nahm mich kurz in den Arm.
Nach einer weile sahen wir beide gleichzeitig zu den Jungs, die am Lagerfeuer rumalberten.
Beide mussten wir grinsen.
Ja, hier würden wir es eine Weile aushalten können.

„Peksi, weißt du eigentlich, dass ich dich abknutschen könnte?“
Alle 6 musterten mich erstaunt. Jenna und ich hatten uns schon vor einer weile wieder zu den Jungs gesetzt.
„Ach?“ grinste Pekka. „Und wie komme ich zu der Ehre?“
„Du hast meinen Koffer gefunden!“ grinste ich. „Der ist überlebenswichtig!“
„Leute ich geh schlafen.“ gähnte Janne neben mir, dessen Kopf immer wieder auf meine Schulter gerutscht war.
Ich, Axu und Pekka nickten zustimmend, die anderen wollten sich noch ein wenig unterhalten – oder streiten. Wie in Jennas und Vellus fall.
Es hatte sich schnell abgekühlt und die Temperatur war auf angenehme 20°C gesunken, was Vellu und Jenna dazu bewog, ihren Streit wieder aufzunehmen.

„Jungs?“ Ich lag zwischen Axu und Janne, während Pekka schräg über unseren Köpfen lag.
„Ja?“ kam es von allen drei.
„Gibt es hier eigentlich auch wilde Tiere?“
Ich war wieder mehr oder weniger wach.
„Vielleicht!“ brummte Axu vor sich hin.
„Was für Tiere? Glaub ihr, dass sie gefährlich sein könnten, also für uns?“
„Man Joona!“ stöhnte Janne auf. „Kannst du nicht einfach schlafen, wie alle anderen normalen Menschen?“
Ich stützte mich auf meine Unterarme.
„NORMALE Menschen müssen auch nicht in Höhlen schlafen. Glaubt ihr hier gibt es Schlangen? Oder Tiger? Oder Alligatoren?“ „Ja und Elche, Rentiere und Biber…“ murmelte Pekka leise vor sich hin.
Ich grinste. „Das hättest du wohl gern. Aber mal im Elch (HAHA!!!!), was passiert, wenn hier nen Tiger wohnt?“
„Dann frisst er dich auf! Und nun schlaf.“
Axu grinste müde. Ich nickte. „Ich glaube, diese Tiere dürft ihr dann auch essen!“
„Danke!“ murmelte Janne leise. „Aber ich glaub nicht, dass ich an einem Tier Interesse habe, das gerade Jussi aufgegessen hat!“


„Boah, könnte mir mal jemand sagen, warum es hier so scheiße heiß sein muss? Hätten wir nicht über Russland oder so abstürzten können?“
Jenna wischte sich zum wiederholten male den Schweiß von der Stirn und schielte neidisch zu Matti, Vellu und Jussi, die nur in Short dabei waren, ein Sonnenschutz vor der Höhle zu bauen.
Wir beide gönnten uns währenddessen eine kleine Pause.
Immerhin waren wir den gesamten Vormittag durch den Wald geflitzt und hatten Palmwedel und sonstiges Grünzeug für den Schutz zusammen getragen.
Janne, Axu und Pekka waren aufgebrochen um etwas zu essen zu besorgen, doch diesmal hatte ich mich nicht zum Mitrennen aufraffen können.
„Hey Leute, guckt mal, was wir alles haben!“ Janne und Pekka hatten jeweils zwei Bananenstauden, während Axu wirklich ein totes Tier dabei hatte.
Allem Anschein nach einen Affen.
Stolz präsentierten sie uns ihren Fang.
„Ich will euch sehen, wie ihr das arme Ding heutet und ausnehmt.“ meinte ich grimmig.
Axu hielt das Tier hoch und musterte es.
„So schwer kann das doch gar nicht sein!“

° Jenna °

„Also, ich ess das nicht.“
Die anderen sahen mich erstaunt an.
„Na ja, ich weiß nichtmal, ob man Affen essen sollte. Oder habt ihr schon mal was von Affensteak gehört? Oder Affenbratwurst? Oder Affengeschnetzeltes? Oder...“
„Is ja gut“, unterbrach mich Joona, die leicht grünlich im Gesicht geworden war.
„Ich finde, sie hat Recht“, meinte Vellu, woraufhin ihn alle geschockt ansahen. ER hatte MIR Recht gegeben! Allerdings musste dafür erst ein Affe getötet werden. Oha...
„Na gut, dann essen wir ihn halt net“, meinte Axu entnervt. „Und was sollen wir jetzt damit machen?“
„Werft ihn auf seinen Baum zurück und tut, als sei nix gewesen. Dann denken die anderen, die der Speer wäre aus Versehen durch die Luft gesaust und hätte ihren Freund bestialisch aufgespießt.“
„Boah, Jenna, jetzt halt die Klappe!“, rief Joona.
„Tschuldigung, ist die Hitze. Da werd ich so aggressiv.“
„Dagegen kann man was tun.“ Vellu grinste fies und kam zu mir. Dann packte er mich, schleppte mich zum Flussufer und sprang mit mir ins Wasser.
„Du Arsch!“, prustete ich, als ich wieder auftauchte. Vellu grinste nur über beide Ohren, auch ein Ereignis für sich. Seine Haare hingen platt an seinem Kopf und seine Augen strahlten selbstzufrieden. Ich bekam wahrscheinlich einen hochroten Kopf vor Wut. Die anderen hatten sich längst wieder dem Affenkadaver zugewandt und beschlossen, ihn zu begraben. Währenddessen stürzte ich mich auf Vellu und tauchte ihn unter. Man, das tat gut. Weniger gut tat es, als er nach etwa einer halben Minute nicht wieder aufgetaucht war. Toll, erst der Affe und jetzt Vellu...
„Hey, lass den Scheiß“, sagte ich laut. „Komm wieder hoch.“
Doch nichts tat sich. Das durfte doch nicht wahr sein. Das hätte er doch sagen müssen, wenn er Nichtschwimmer war...oder zu dämlich dazu.
„Vellu!“, rief ich nach etwa einer weiteren halben Minute. Ich wusste ja, dass man ne zeitlang unter Wasser bleiben konnte, aber bei dem flachen Brustkorb konnte Vellu unmöglich eine Taucherlunge haben. Es sei denn, er hatte alle anderen Organe rausgeschmissen, wie zu Beispiel sein Herz- obwohl...der Typ war so’n Arsch, das konnte fast sein. Trotzdem, er war zu jung zum Sterben. Außerdem wollte ich ihn umbringen!
„Vellu!“
Auf einmal tauchte ein blonder Schopf auf. Kurz danach der Rest vom Körper. Hm. Ich war zwar keine Expertin, aber wenn der gesamte Körper flach an der Oberfläche trieb war das, soweit ich wusste, kein Zeichen von quickfideler Lebensenergie.
„Scheiße!“, brüllte ich, watete zu Vellu und drehte ihn mit dem Gesicht nach oben. War schonmal ein Anfang. Dann zerrte ich ihn ans Ufer und beugte mich über ihn.
„Vellu?“, fragte ich vorsichtig. Himmel, der Typ sah furchtbar aus. Sogar für einen Finnen war er total blass. Mir stiegen Tränen in die Augen. Er durfte einfach nicht tot sein.
„Vellu?“, versuchte ich es noch einmal, doch er reagierte nicht. Ich überstreckte seinen Kopf und sah nach, ob er Wasser oder so im Mund hatte.
„Was wird das denn, wenn’s fertig ist?“
Ich riss erschrocken die Augen auf. Vellu brachte seinen Kopf wieder in die normale Position und grinste mich an. Jetzt kapierte ich. Er hatte mich verarscht. Ich wurde rasend vor Wut. Was dachte der Typ eigentlich, was er da getan hatte? Ich kniff die Lippen zusammen und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. Dann sprang ich auf und rannte zur Höhle. Die anderen waren wohl immer noch bei der Affenbeerdigung. Ich setzte mich in eine Ecke und versuchte, die Tränen zurück zu halten. Er hatte mir einen verdammten Mordsschrecken eingejagt. So was beklopptes konnte er doch nicht bringen!
„Jenna?“ Vellu kam zu mir und hockte sich vor mich. „Was is’n los? Das war doch nur ein Witz.“
„Verpiss dich“, fuhr ich ihn an.
„Warum nimmst du das denn so furchtbar ernst?“
„Verflucht, ich hab mir Sorgen gemacht, du Trottel! Ich dachte, du wärst tot!“, schrie ich.
„Oh“, machte er verlegen. Dann grinste er. „Du hast dir Sorgen gemacht?“
„Natürlich. Also, ich hätt’s nicht so prall gefunden, wenn wir zwei Löcher hätten graben müssen. Eins für den Affen und eins für dich.“
„Tut mir leid.“ Vellu lächelte und strich mir die nassen Haare aus dem Gesicht. „Es tut mir wirklich leid, Jenna.“
„Mach sowas ja nie wieder“, murmelte ich und ließ mich von Vellu in den Arm nehmen. Ich schloss die Augen und seufzte. Hm. Vielleicht hatte er doch ein Herz.
„Also, ich weiß ja, dass ihr euch streitet, wenn wir da sind“, kam Jannes Stimme vom Eingang der Höhle. „Aber was zur Hölle treibt ihr eigentlich, wenn wir nicht da sind?“
Vellu und ich fuhren auseinander und sahen verlegen zu Boden. Janne schüttelte den Kopf und ging wider raus.
„Leute!“, rief er den anderen zu. „Tötet noch ein paar Affen und hier gibt’s bald Nachwuchs.“


„Scheiße, ihr wollt was?“
Jonna und ich sahen uns geschockt an, dann schauten wir wieder zu Axu, Janne, Matti und Vellu, die mit vier Speeren bewaffnet vor uns standen.
„Fisch fangen, auf die traditionelle Weise.“
„Seid ihr bekloppt? Es sind fast 40°, und Wasser reflektiert die Sonne. Am Ende können wir aus euch Stockfinnen machen, so gebraten werdet ihr sein“, meinte ich.
„Blödsinn, wir passen auf.“
„Wir passen auf“, äffte ich Vellu nach. „Ihr werdet schreien vor Schmerzen. Zieht euch wenigstens T-Shirts an.“
Die vier murrten ein bisschen, taten es dann aber doch.
„Ich hasse Fisch“, sagte ich zu Joona, als sie weg waren.
„Und ich könnte keinen Fisch töten.“
„Ich wette, wenn es um Leben und Tod geht, könntest du“, meinte Peksi, der neben ihr in der Sonne lag. Bei ihm zeichnete sich sogar schon eine leichte Bräune ab. Hm. Sexy, wirklich. Doch, sah ganz gut aus. Jussi und ich hatten es uns im Schatten bequem gemacht. Er las ein Buch, dass er irgendwo gefunden hatte und ich lag mit dem Kopf auf seinem Bauch und ruhte mich aus. Doch meine Gedanken wanderten immer wieder zu neulich, als Vellu den toten Mann markiert hatte. Es wunderte mich, wie viel es mir ausgemacht hatte, als ich ihn so da liegen gesehen hatte. Als ob er mir wirklich so viel bedeuten würde. Wir konnten uns doch überhaupt nicht leiden. Also, was sollte das?
„Dann vielleicht.“ Joonas Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Ich schaute hoch zu Jussi. Bei ihm hätte es mir mit Sicherheit genauso viel ausgemacht. Ich seufzte tief. Anscheinend musste ich mich damit abfinden, dass ich dieses durchgeknallte Finnenpack ins Herz geschlossen hatte.
„Is was?“, fragte Jussi auf meinen Seufzer hin.
„Nö, das war nur ein allgemeiner Seufzer“, meinte ich und Jussi grinste.
„Na dann.“
„Kommt wer mit runter zum Fluss?“, fragte Peksi. „Ich hab keine Ahnung warum, aber mir is jetzt irgendwie danach, einen Fisch zu töten.“
„Pekka!“, rief Joona entsetzt.
„Schon gut. Bleib ich halt hier. Weiber.“ Pekka legte sich wieder hin und schloss die Augen. Joona nickte zufrieden und Jussi und ich grinsten uns an.
„Was wir für eine Chaotentruppe sind“, meinte er kopfschüttelnd.
„Da hast du allerdings Recht.“
„Hey Leute!“ Janne kam gut gelaunt auf uns zu uns hielt uns seinen Speer entgegen, auf dem sieben Fische aufgespießt waren. Mir kam fast das Kotzen und auch Joona sah eher unbegeistert aus. Nur Peksi und Jussi schienen total angetan von den toten Schuppenviechern. Finnen...
„Unser Abendessen“, meinte Janne und legte die Fische auf einen Stein.
„L...Leben die noch?“, fragte Joona vorsichtshalber.
„Nein. Wir haben ihnen mit einem Stein den Kopf eingeschlagen“, erklärte Janne ungerührt.
„Oh mein Gott“, entfuhr es Joona. „Das ist ja widerlich.“
„Nee, das ist normal. Du kannst ihnen auch gleich den Kopf abschneiden, aber dazu bräuchte man ein Messer.“
Joona wurde leichenblass und auch mir ging es nicht mehr so gut.
„Danke für die Anschaulichkeit, Janne“, sagte ich sauer.
„Was?“, verteidigte er sich. „ Sie hat gefragt.“

Als es dunkel wurde, setzten wir uns alle in die Höhle zu Essen. Die Jungs kannten unzählige Arten und Weisen, wie man Fisch zubereitete, womit sie Joona und mich beinahe zum Erbrechen gebracht hatten. Doch am Ende hatten sie sich für einfaches Braten am offenen Feuer entschieden. Joona, die zwischen Janne und Axu saß schaute die ganze Zeit angewidert auf die Fische, die sie einfach auf einen Stock gesteckt hatten. Alles war noch dran, Flossen, Kopf, Augen. Nur gewaschen und geschuppt waren die Dinger. Ich starrte die ganze Zeit auf meine Hände, sonst hätte mein Magen garantiert Randale gemacht. Plötzlich hielt mir jemand seinen Fisch direkt unter die Nase. Ich schlug mir die Hand vor den Mund und sah Vellu bitterböse an.
„Probier doch mal, das ist lecker.“
Ich schüttelte entsetzt den Kopf. Soweit würde das noch kommen...
„Bitte, Jenna. Da sind wichtige Nährstoffe drin, die du brauchst. Ich will doch nicht, dass du hier irgendwann zusammenklappst.“
Ich zog erstaunt eine Augenbraue hoch. Das waren ja ganz neue Töne. Langsam nahm ich die Hand von meinem Mund weg und sah Vellu an.
„Aber mir wird doch schon schlecht, wenn ich das nur sehe“, argumentierte ich.
„Versuch’s einfach. Hast du denn noch nie Fisch gegessen?“
„Seit dreizehn Jahren nicht mehr“, antwortete ich.
„Dann wird’s mal wieder Zeit. Wenn du schon keinen Affen isst, dann doch wenigstens Fisch.“
„Na gut“, gab ich nach. Vellu gab mir den Stock und ich schluckte schwer. Dann schloss ich die Augen und biss in den Fisch. Ich kaute ein bisschen und schluckte es dann so schnell wie möglich runter. Es schmeckte gar nicht so schlecht, doch als mich plötzlich dieses starre, schwarze Fischauge ansah, bekam ich zuviel. Alles, was ich an dem Tag gegessen hatte, kam auf einmal wieder hoch. Ich sprang auf, rannte aus der Höhle und übergab mich in einen Busch, nahe des Flussufers. Dann ging ich zum Wasser, spülte meinen Mund aus und ließ mich auf den Kies fallen.
„Geht’s besser?“, fragte jemand. Ich drehte mich um und sah Jussi und Vellu da stehen.
„Ja“, antwortete ich. „Es war das Auge. Es hat mich so angestarrt.“
Jussi lachte, setzte sich neben mich und legte einen Arm um meine Schultern.
„Du warst sehr tapfer, ich bin stolz auf dich.“
„Witzig.“
„Nein, im Ernst. Ich find das gut, wenn man sich traut neue Dinge auszuprobieren. Bei Joona is das was anderes, sie hat ihre Prioritäten und das ist auch sehr wichtig. Aber für einen Fleischfresser warst du heute sehr mutig.“
„Danke, Mama“, grinste ich.
„Bitte.“ Jussi strubbelte mir durch die Haare und ging wieder rein. Ich stand auf und fand mich vor Vellu wieder, der die Hände in den Taschen hatte.
„Entschuldige. Ich wollte nicht, dass...das passiert.“
„Kein Problem“, lächelte ich. „Weißt du, so schlecht hat das gar nicht geschmeckt. Es war nur dieses Auge.“
Vellu lachte und fuhr sich durch die Haare.
„Na dann.“ Er grinste mich unsicher an und ich grinste zurück. So standen wir uns eine ganze Weile gegenüber, bis wir uns irgendwann entschieden, wieder zu den anderen zu gehen.


Die Tage vergingen irgendwie ziemlich schnell, obwohl wir gar nicht so viel machten. Meistens hingen wir den ganzen Tag rum, schwammen im Fluss oder im Meer, lasen Bücher, die wir in irgendwelchen Taschen gefunden hatten oder beschäftigten uns sonst irgendwie. Nach etwa zwei Wochen wusste allerdings keiner mehr so genau, wie lange wir schon hier waren. Und eigentlich war es uns auch egal. Wir hatten immer etwas zu tun oder wir unterhielten uns über irgendetwas. Joona und ich konnten uns schon gar nicht mehr vorstellen, sie nicht um uns zu haben. Sie waren fast wie Brüder geworden. Aber eben nur fast, denn irgendwo im Hinterkopf war immer die Tatsache, dass die sechs uns eigentlich total fremd waren. Sie konnten da draußen sonstwas gewesen sein und jetzt hier auf der Insel auf nette Jungs machen. Aber um ganz ehrlich zu sein, es war mir egal. Wir waren hier auf einer einsamen Insel und hier waren sie unsere lieben, gut aussehenden Finnen. Basta.

Eines Tages saß ich mit Vellu und Jussi am Fluss. Ich hatte die beiden zum Wäsche waschen mitgenommen, die konnten sich gefälligst auch mal nützlich machen. Doch die beiden hatten nur Flausen im Kopf und spritzen sich gegenseitig mit Wasser voll.
„Lakakaa, muuten on hanki!“, sagte ich schließlich.
Jussi und Vellu sahen mich überrascht an. Dann brüllten sie los.
„Weißt du, was du gerade gesagt hast“, prustete Jussi. „Du hast gesagt: Hört auf, sonst gibt es Schnee.“
„Oh nein, ich meinte harmi, nicht hanki“, erklärte ich, doch es war zu spät. Die beiden kriegten sich überhaupt nimmer ein und ich wurde knallrot.
„Ich hab ne Idee“, meinte Jussi irgendwann, als er wieder normal Luft bekam. „Wir bringen dir Finnisch bei. Das wird lustig.“
„Nicht von euch Chaoten“, protestierte ich. „Wer weiß, was ihr mir da als Finnisch verkaufen wollt.“
„Wir versprechen dir, dass wir dir keinen Mist beibringen“, sagte Jussi. „Du musst das doch können, wenn du und Joona uns mal besuchen kommt, wenn das alles vorbei ist.“
Ich sah Jussi an. Ich bezweifelte ja, dass wir das hier lebend überstehen würden, aber es freute mich, dass er wollte, dass wir sie mal besuchen kommen. Vielleicht hatten wir hier ja wirklich Freunde gefunden.
„Okay, fein, dann bringt mir halt was bei. Aber wehe, ich krieg raus, dass ich Blödsinn rede. Dann gibt’s massig Ärger.“
„Wohl eher Schnee“, meinte Jussi und schon lagen er und Vellu wieder auf dem Boden vor Lachen. Autsch...

„Denkst du, wir sehen die Jungs mal wieder, wenn das hier alles vorbei ist?“
Joona und ich liefen zusammen durch den Wald, um Früchte oder so zum Abendessen zu sammeln. Die Jungs waren fischen gegangen. Oha...
„Ich weiß nicht“, meinte sie. „Wenn wir das alles überstehen, vielleicht. Aber ich bezweifle, dass es so leicht und billig ist nach Finnland zu kommen.“
„Ich würd sie gerne wiedersehen“, überlegte ich laut. „Sie würden mir fehlen.“
„Mir auch.“
„Ich frag mich nur, woher die sich alle kennen. Gibt es etwa eine Stadt in Finnland, wo nur gutaussehende Jungs wohnen? Oder kommen die aus verschiedenen Städten?“
„Keine Ahnung“, meinte Joona schulterzuckend. „Müssen wir sie mal fragen.“
„Ja. Stell die vor, Jussi und Vellu wollen mir Finnische beibringen. Das wird hart.“
„Garantiert. Sei froh, dass du das n bisschen kannst, dann können sie dich nicht total verarschen.“
„Danke, Joona, das baut mich jetzt echt unheimlich aaaaaaa...“
Im nächsten Moment lag ich auf der Klappe.
„Eine Tasche“, stellte Joona fest.
„Ja, danke, mir geht’s gut“, murrte ich und rappelte mich hoch.
„Sieh mal.“ Joona zog ein Buch aus der Tasche.
„Ein Tagebuch?“
„Vielleicht.“ Sie schlug es auf du blätterte ein bisschen darin herum. „Zeitungsartikel“, murmelte sie. „Über Sportler...hey, sieh mal.“ Sie hielt mir das Buch unter die Nase. „Dieser Akseli Kokkonen schaut aus wie Axu.“
„Joona, das IST Axu“, meinte ich und sah mir die anderen Bilder an. Da waren auch noch Fotos von Jussi, Matti und Vellu. Und ein paar Seiten weiter fanden wir auch Janne und Peksi.
„Und was haben die jetzt gemeinsam?“
Joona und ich lasen uns die Artikel etwas durch, dann sahen wir uns an.
„Skispringer.“
„Daher kennen sie sich auch. Meinst du, sie wollten es uns nicht sagen?“
„Ich glaube, es war einfach unwichtig. Ich meine, wir sind hier auf einer tropischen Insel, da denke ich auch nicht so oft ans Skifahren.“
Joona nickte und wir gingen weiter. Mit dem Buch.


°Joona°

Finnische Skispringer also.
Kein Wunder, dass die alle so dünn waren.
3 Stunden später saßen wir alle ums Feuer und aßen. Irgendwie, war Fisch zum Hauptnahrungsmittel der Jungs geworden.
Janne und Matti murrten die ganze Zeit, da sie heute bei Fischen kein T-Shirt getragen hatten und das Resultat jetzt zwei Krebsrote Rücken und Nacken waren.
Das Buch lag sicher verstaut unter Jennas Sachen. Wenn die Jungs es uns sagen wollten, bitte. Wenn nicht, dann würden wir es ihnen schon irgendwann sagen.

Ich hatte mich nach dem Essen verabschiedet und war an den Strand gegangen, um von dort aus den Sonnenuntergang zu beobachten.
Ich musste einfach mal nachdenken.
„Alles klar bei dir?“ Jannes Stimme schreckte mich aus meinen Gedanken hoch.
Ich sah zu ihm hoch und er legte den Kopf schief und sah mich prüfend an.
„Kann ich mich zu dir setzten?“ Ich nickte. „Klar, is doch ne freie Insel!“
Janne seufzte und ließ sich neben mir nieder.
Eine weile saßen wir einfach nur schweigend neben einander.
„Ich habe Angst!“ Ich sah Janne erstaunt von der Seite an, doch er blickte starr weiter aufs Wasser. Die untergehende Sonne fiel ihm aufs Gesicht und ließ seine mittlerweile doch ziemlich braue Haut noch dunkler wirken.
„Wo vor?“ fragte ich ihn genauso leise zurück. Er seufzte und zuckte mit den Schultern.
„Vor allem und nichts. Davor, dass sich hier irgendjemand streiten könnte, davor, dass man uns vergessen könnte, vor den Tieren hier im Dschungel, davor, dass irgendeiner von uns sich verletzt und wir nicht die Medizinische Hilfe haben, die wir brauchen. Aber am meisten wohl davor, dass man uns vergisst. Wir sitzen jetzt knapp drei Wochen hier fest. Ich glaube nicht, dass irgendjemand zuhause noch darauf hofft, dass wir am leben sind.“ Janne stockte und fuhr sich unruhig durch die Haare.
„In einer Woche würde bei uns die Schule wieder losgehen. Zum ersten Mal, wünsche ich mir nichts mehr als dann zuhause zu sein, um meine Freunde wieder zusehen, um wieder einmal in meinem Bett zu schlafen.“
Sich die Haare raufend ließ er sich zurück in den Sand fallen und breitete dann die Arme links und rechts weit vom Körper aus.
Ohne ein Wort zu sagen legte ich mich neben ihn, mit dem Kopf auf seiner Schulter.
„Ich habe auch Angst. Angst davor, meine Brüder und meine Schwester nie wieder zu sehen. Angst davor, hier alt zu werden. Davor, dass einem von euch etwas passiert. Das ich euch nicht helfen kann. Oder schlicht und einfach, Angst davor, euch zu verlieren.“
Ich hatte mich so gedreht, dass ich Janne angucken konnte. Dieser strich mir vorsichtig mit einer Hand eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Ist dir eigentlich mal aufgefallen, wie wenig wir von zuhause erzählen? Ich lebe hier seit drei Wochen mit euch zusammen, und weiß nicht einmal, was ihr für Hobbys habt, wo genau ihr in Finnland lebt, woher ihr euch alle kennt, und wohin ihr wolltet!“
Janne, der angefangen hatte, eine von meinen Haarsträhnen zwischen Daumen und Zeigefinger zu zwirbeln nickte.
„Ich glaube, es ist hier einfach nicht wichtig, was wir zuhause machen. Ich meine, was nützt es dir, wenn du weißt, dass Jussi in einer Band spielt? Hier ist das völlig nebensächlich, da er hier sowieso nicht spielen kann…“
Ich legte meine linke Hand auf Jannes Bauch und fing an, diesen zu kraulen.
„Wahrscheinlich hast du Recht. Hier liegt ja auch kein Schnee.“ fügte ich auf Deutsch hinzu.
„Was?“ Janne sah mich fragend an. „Nichts.“
Jannes Hand hatte inzwischen meine Haare wieder los gelassen und kraulte nun meinen Nacken.
Ich seufzte wohlig auf und in meinem Magen kribbelte es leicht.
Ich versuchte dieses Gefühl zu unterdrücken und kuschelte mich einfach noch näher an Janne.
„Ich hab dich lieb, Janne.“
Janne drückte mir einen Kuss auf die Stirn und sah dann in den Sternenhimmel, der sich mittlerweile über uns aufgetan hatte.
„Ich dich auch, kleine.“

„Jannäää! Jooonaaa!“
„Na nun schau sich einer die beiden an! Wir machen uns die schlimmsten Sorgen und die beiden Pennen hier gemütlich vor sich hin…“
Nur langsam wurde ich wieder munter.
Ich richtete mich auf und bemerkte, dass ich immer noch in Jannes Arm lag, nur das mittlerweile der Rest der Gruppe, grinsend, um uns rum stand.
„Ja, ja. Aber über uns lästern…“ Jenna knuffte Vellu lachend in die Seite.
„Leute, können wir jetzt bitte schlafen gehen?“ Jussi rieb sich die Augen und gähnte herzhaft.
„Ich weiß sowieso nicht, warum wir die beiden unbedingt suchen mussten. Sie hätten sonst was machen können. Und das wäre jetzt ziemlich peinlich ausgegangen…“


° Jenna °


„Okay, halt den Speer gut fest.“
„Das machst du doch, oder?“
Vellu sah mich an.
„Nein, ich helfe dir nur.“
Er stand hinter mir im und hatte seine Hand um meine gelegt, während meine den Speer umschloss. Es war noch früh am morgen und die anderen schliefen befanden sich noch im Land der Träume. Die Glücklichen.
Vellu wollte mir unbedingt das Fischerledigen mit dem Speer beibringen. Ich gähnte ausgiebig. Aber musste das denn so früh sein? Ich hatte das Gefühl, dass wir schon ewig und drei Tage hier standen und meine Sachen waren total durchnässt von den vielen Fehlversuchen. Einmal hätte ich fast meinen Fuß statt des dummen Fisches erwischt.
„So, konzentrier dich.“ Er legte einen Arm um meine Taille und starrte in den Fluss. Er sah echt süß aus, wie er so total bei der Sache war.
„Okay.“ Ich starrte ebenfalls ins Wasser und beobachtete die Fische, die zu unseren Füßen lang schwammen.
„Warte“, flüsterte Vellu plötzlich. „Und...jetzt!“
Ich ließ den Speer ins Wasser sausen und spießte einen Fisch auf.
„Uäh“, machte ich.
„Gut gemacht!“, freute sich Vellu.
Ich gab ihm den Speer und beobachtete das zappelnde Ding daran. Gute Güte, ich war eine Mörderin!
„Willst du nochmal?“
Ich schüttelte hektisch den Kopf. Also ich fand, für heute hatte ich genug angerichtet.


„Morgen!“
Joona und Janne kamen sich streckend aus der Höhle. Vellu und ich lagen davor in der Morgensonne und aßen Obst. Den Fisch hatte Vellu (Gott sei Dank unter meiner Abwesenheit) getötet und ausgenommen. Kein Plan, wo das Vieh jetzt steckte.
„Hmpf“, machte ich und sah Joona an. „Gut geschlafen?“
„Joa, wieso?“
Ich sah Vellu an, der neben mir lag.
„Nur so.“
„Unten am Fluss“, antwortete Vellu. Ich seufzte tief.
„Ich bin immer noch nass.“
Joona und Janne rissen die Augen auf. Ich erstarrte.
„Um Himmels Willen, ich mein meine Klamotten! Wir waren Fischen!“
„Ach so.“ Janne grinste breit.
„Leute, kommt mal schnell her!“ Jussi stand mit besorgter Miene im Höhleneingang (jedes Mal, wenn ich Höhle schreibe, komm ich mir n bissel primitiver vor *seufz*) und sah uns an. Wir sprangen auf und folgten ihm hinein. Pekka hockte neben Axu auf dem Boden und hatte seine Hand auf dessen Stirn gelegt.
„Er hat Fieber“, erklärte er, ohne dass jemand gefragt hatte.
„Scheiße“, entfuhr es Vellu.
„Ist er wach?“, wollte Joona wissen und setzte sich auf Axus andere Seite.
„Nein. Er schläft.“ Pekkas Miene verdunkelte sich. „Denk ich.“
Ich griff nach Vellus Arm und hielt mich an ihm fest. Das war so ziemlich das mieseste, was passieren konnte. Wir hatten keine Ahnung, was wir tun sollten, wir wussten ja nichtmal, was Axu genau hatte. War es Malaria oder eine Sommergrippe (welche bei diesen Temperaturen ihrem Namen alle Ehre machte)? Mein ganzes Wissen bezüglich solchen Situationen nahm ich aus schlechten Filmen, wo sie den Opfern einfach nur ein paar nasse Tücher auf die Stirn legten und sie damit innerhalb von eineinhalb Stunden heilten.
„Was sollen wir jetzt tun?“, fragte Janne schließlich.
Allgemeine Ratlosigkeit.
„Wir können ihn nur mit Vitaminen voll pumpen und hoffen, dass das sein Immunsystem zu Hochleistungen antreibt“, meinte Jussi und brachte damit die einzig vernünftige Idee hervor, die in unseren Köpfen rumspukte.
„Ich geh Wasser holen“, murmelte ich und wankte aus der Höhle (aaargh, schon wieder!). Vellu folgte mir.
„Ist alles okay?“, fragte er draußen.
„Nein, natürlich nicht! Was, wenn er...“ Ich konnte den Satz nicht zuende führen und starrte einfach zu Boden. Ich merkte, wie Vellu seinen Arm um mich legte.
„Das wird er nicht“, sagte er bestimmt. „Der Kleine ist zäh, der schafft das.“
„Klar, weil es in Finnland ja so viele tropische Krankheiten gibt“, entgegnete ich sarkastisch, bereute es jedoch sofort wieder, als ich Vellus versteinertes Gesicht sah. „Es tut mir leid, es ist nur...Wir haben doch keine Ahnung von gar nichts. Wir sind...“
„Himmel, jetzt halt mal die Luft an“, unterbrach Vellu mich. „Du bist ja noch deprimierender als der finnische Herbst. Er schafft das!“
Ich lächelte ihn unsicher an. Er hatte ja Recht. Vielleicht war es ja wirklich nichts Schlimmes. Ich hoffte es zumindest sehr.

Es vergingen Tage, ohne dass Axu aufwachte. Joona saß die ganze Zeit bei ihm und wachte über ihn. Wir anderen mussten draußen bleiben, um einer möglichen Ansteckungsgefahr aus dem Weg zu gehen. Doch nach einigen Tagen, nachdem feststand dass das Virus nicht auf Joona übergegriffen hatte, wechselten wir uns damit ab, Axus Zustand zu überwachen.

„Jenna! Jenna, wach auf!“
Vellu rüttelte mich sanft und ich schlug die Augen auf.
„Was’n?“, murmelte ich schläfrig und blickte in Vellus lächelndes Gesicht.
„Das Fieber ist zurück gegangen“, erklärte er.
„Ist er wach?“
Vellu schüttelte den Kopf.
„Das nicht, aber das wird schon. Hab ich’s nicht gesagt?“
„Ja, hast du“, lächelte ich und fiel ihm um den Hals. „Du bist der Beste“, murmelte ich den Tränen nahe.
„Danke.“ Vellu schaute mich an. „Hey, jetzt wein doch nicht.“ Er strich mir sanft über die Wange und küsste mich auf die Stirn. „Du kannst doch nicht jetzt heulen, wo alles wieder besser wird.“
„Kann ich doch“, flüsterte ich.
„Weiber“, seufzte Vellu und drückte mich.
„Man, Leute, könnt ihr eure Kuscheleinheiten nicht auf den Tag verlegen?“, kam plötzlich Jannes Stimme aus der Dunkelheit.
„Axus Fieber is runtergegangen“, verkündete Vellu ihm und ignorierte den Kommentar. Sofort saß Janne kerzengerade.
„Im Ernst?“
„Jep.“
„Klasse“, freute Janne sich und weckte Joona auf, die neben ihm lag. Auf diese Weise verbreitete sich die gute Neuigkeit weiter, bis alle hellwach um Axu herum saßen und darauf warteten, dass er aufwachte. Doch das tat er nicht.
Erst als die ersten Sonnenstrahlen hereinfielen entschieden wir, dass wir uns wieder schlafen legen sollten. Es war vielleicht doch etwas früh um zu erwarten, dass Axu wieder aufwachen und fröhlich rumspringen würde, wie’n Gummiball. Aber wenigstens war das Fieber zurück gegangen und schon allein das war ein Grund um wieder zu hoffen.
Ich legte mich wieder neben Vellu und starrte an die Decke.
„Alles okay?“, fragte er mich nach einer Weile.
„Ja, schon“, murmelte ich und drehte mich zu ihm. Vellu lächelte und legte eine Hand auf meine Taille.
„Komm mal her.“
Ich rutschte näher an ihn heran und Vellu legte seine Arme um mich.
„Ich bin froh, dass ich dich hab“, murmelte ich in sein Shirt.
„Ich auch. Glaub mir, ich möchte jetzt nirgendwo anders als auf dieser bekloppten Insel sein.“
„Das glaub ich dir nicht“, grinste ich.
„Is aber wahr“, flüsterte Vellu in mein Ohr. „Du bist zwar eine Nervensäge, aber ich mag dich.“
„Danke, das Kompliment kann ich nur zurück geben.“


„AXU! Leute, wacht auf!“
Joonas Stimme ließ uns alle aufschrecken. Ich setzte mich auf und rieb mir die Augen.
„Ist alles okay?“, murmelte ich.
„Okay? Alles ist WUNDERBAR! Axu is wach!“
“Im Ernst?” Ich krabbelte zu ihr und beugte mich über Axu. Er grinste schwach.
„Hi.“
„Hey“, erwiederte ich und drückte ihn erstmal. „Wie geht’s dir?“
„Och, bestens, kann mich nicht beklagen.“
Ich blickte in sein blasses, eingefallenes Gesicht und schüttelte den Kopf.
„Du solltest was essen.“
„Die Idee hätte von mir sein können.“

Da Axu noch nicht aufstehen konnte und Jussi und Matti sich strikt weigerten, ihn durch die Gegend zu tragen, verbrachten wir den Tag in der Höhle und machten es uns gemütlich mit Essen und ner Menge Decken. Wir stopften Axu mit Obst voll, damit er so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen würde. Das hatte jetzt erstmal höchste Priorität. Man konnte gar nicht beschreiben wie erleichtert wir waren, dass Axu nicht von einer tropischen Virenkrankheit dahingerafft worden war.
Es dauerte zwar noch eine Woche, aber schließlich war Axu wieder topfit und Joona und mir schien es, als wäre er aktiver denn je. Vielleicht lag es daran, dass wir fauler denn je waren. Wir verbrachten die meisten Tage damit, am Fluss zu liegen und uns die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen.
„Wir sind jetzt bestimmt schon fast zwei verdammte Monate hier“, sagte Joona eines Tages und sah mich an.
„Kann gut sein“, meinte ich und setzte mich auf: „Meinst du, wir kommen hier je wieder weg?“
„Ich hab’s aufgegeben darüber nachzudenken. Ich finde, wir sollten das hier so gut es geht genießen. Vielleicht sterben wir auf dieser Insel.“ Joona senkte den Kopf. „Denk nur mal an Axu...“
„Lieber nicht. Ich bin froh, dass das gut überstanden ist. Und ansteckend war es wohl auch nicht.“
„Ja, das hätten wir wohl gemerkt.“
Wir grinsten uns unsicher an und schauten dann zu den Jungs, die mal wieder angelten. Gestört, echt gestört.
„Dass die daran so viel Spaß haben“, meinte ich kopfschüttelnd.
„Hey, sie könnten schlimmere Hobbies haben“, befand Joona.
„Ja, zum Beispiel von Hügeln springen, als wären sie Vögel.“
„Genau.“
Ich musste lächeln.
„Stell dir nur mal vor, sie wären nicht hier.“
„Unmöglich.“
„Hey, Hanna!“ Vellu winkte fröhlich zu uns rüber. „Was ist, willst du auch mal?“
„Nein, danke“, rief ich zurück.
„Okay. Geht’s dir gut?“
„Ja, wieso?“
„Nur so.“
Ich grinste Joona an.
„Absolut unmöglich.“

„Wo sind denn Janne und Joona?“
Pekka kam mit einem fragenden Gesichtsausdruck aus der Höhle.
„Am Strand“, antwortete Axu.
„Oh.“ Peksi grinste. „Alles klar.“
„Du immer mit deinen Hintergedanken“, stichelte Vellu.
„Hab ich doch gar nicht.“
„Nee, natürlich nicht.“ Vellu folgte Peksi mit dem Blick, als dieser wieder verschwand. Jussi und Matti waren in der Höhle und schwelgten in Erinnerungen.
Vellu und ich lagen draußen, obwohl es schon ziemlich dunkel und kühl war, und er brachte mir, wie versprochen, ein paar finnische Sätze bei. Allerdings stellte ich mich reichlich dämlich an, weil ich manche Grammatikregeln einfach nicht auf die Reihe bekam. Ganz zu schweigen von den Vokabeln.
„Okay, pass auf: Sinä olet aito suloinen.“
„Kiitos“, grinste ich und wurde regelrecht verlegen. Er hatte zwar nur zu Übungszwecken gesagt, dass ich süß war, aber immerhin hatte er es gesagt.
„Ei kestä.“ Auch Vellu grinste. Ich rieb mir fröstelnd die Arme.
„Minua palelee.“
Vellu strahlte. Ich hatte mir doch tatsächlich einen Satz gemerkt.
„Tosissaan?“, fragte er nach.
„Kyllä.“
„Sitten tule tänne.“ Er rutschte von der Decke auf der wir saßen und zog sie unter mir weg.
„He!“, protestierte ich als ich auf dem Boden lag. Vellu grinste, setzte sich neben mich und legte die Decke um uns. Ich setzte mich ebenfalls wieder hin und er legte einen Arm um mich. Selig lehnte ich mich an ihn. Verdammt, war der süß...verdammt...
„Parempi?“
Ich nickte nur. Oh ja, das war viel besser...
Wir saßen eine Weile schweigend nebeneinander und schauten in den Himmel. Es musste auch nichts gesagt werden, es war alles gut so wie es war. Fast...
„Vellu?“
„Hm?“
„Du hast mir doch mal gesagt, dass du keine Freundin hast.“
Er sah mich überrascht an.
„Ja...und?“
„Stimmte das?“
„Sicher. Warum?“
„Ach, nur so. Hat keinen bestimmten Grund.“
„Aha.“
Wieder schwiegen wir uns an. Dann war es Vellu, der das Schweigen brach.
„Hanna?“
„Omnistatko sinä ystävä?“
„Ei...“
„Okay.“
Und wieder herrschte Stille. Ich fragte mich, ob dieses Gespräch nochmal zu irgendetwas führen würde...Wohl eher nicht, denn irgendwann stand Vellu plötzlich auf und verschwand. Ich blieb einfach da sitzen und seufzte tief. Ich wurde aus dem Typen einfach nicht schlau. Und das Schlimmste war: ich hatte das Gefühl, dass ich ihn mochte...irgendwie...ziemlich sogar...Besser gesagt, ich war absolut vollkommen verliebt in diese Nervensäge von Finne. Warum nur? Warum er?
Plötzlich kam Vellu wieder und hockte sich vor mich.
„Ähm...Hanna?“
„Ja?“ Ich sah ihn ein bisschen missmutig an.
„Ich muss dir was sagen...“
Och nöööö. Jeder Satz, der so begann, konnte nur in einem Desaster enden. Ich kannte das. Ich muss dir was sagen: dein Goldfisch ist gestorben.
Ich muss dir was sagen: dein Vater und ich lassen uns scheiden.
Ich muss dir was sagen: (bitte Vellus Satz einfügen)
So lief das immer. Dazu fiel mir nur ein Wort ein: Ka- ta- stro- phe!
„Was denn?“, murmelte ich schließlich und betete, dass Vellu seine Zunge verschluckte.
„Ähm...kann ich es auf Finnisch sagen?“
„Du kannst es versuchen. Ich weiß nur nicht, ob ich es verstehe.“
„Ich denke schon.“
„Dann leg mal los.“
„Okay. Siis. Hanna, mä lulen että...mä rakastan sua.”
Ich schluckte schwer. Also, wenn ich dass jetzt richtig verstanden hatte, hatte Vellu mir gerade gesagt, dass er glaubte, dass er mich liebte.
„Luletko?“ (Du denkst?)
„Tiedän!“ (Ich weiß!)
Ich sah Vellu lange an. Dann fiel ich ihm um den Hals.
„Man, hast du mir einen Schrecken eingejagt“, flüsterte ich.
„Wieso?“
„Vergiss es. Wo warst du gerade?“
Vellu lächelte schüchtern und hielt mir eine Blume entgegen. Ich strahlte über das ganze Gesicht und drückte Vellu erneut. Er lächelte, legte eine Hand in meinen Nacken und küsste mich lange. Ich glaub, ich war selten so, glücklich wie in dem Moment.


°Joona°

„Na guck sich einer die beiden an!“ Janne, ich und Pekka kamen vom Strand und blieben in einiger Entfernung stehe.
Vor der Höhle saßen Vellu und Jenna und küssten sich.
„Na ham’ses endlich geschafft!“ seufzte ich erleichtert.
„Du hast das gewusst?“ Janne sah mich entsetzt an.
„Du nicht?“ Pekka sah Janne ernst an und legte ihm dann einen Arm um die Schulter. „Mann kleiner, du musst noch ne Menge lernen. Die beiden waren so verknallt in einander, dass hat sogar Jussi kapiert!“
„Ich weiß nicht Jungs,“ unterbrach ich die beiden. „Ich will die da jetzt nicht stören!“ Ich deutete mit dem Kopf zu Vellu, der inzwischen halb über Jenna lag.
„Ich auch nicht!“ entschied Janne. „Ich hab angst, dass Vellu mich umbringt, wenn ich die JETZT störe!“
Also folgten wir dem Fluss etwas Flussabwärts und setzten uns auch einen Felsvorsprung.
„Ich möchte nicht der jenige sein, der jetzt aus der Höhle kommt. Armer Jussi, armer Matti!“
befand Janne.
„Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass die so weit gehen…“ Ich sah beide zweifelnd an.
„Och…“ überlegte Pekka. „Die haben doch überhaupt keine Verhütungsmittel, oder hast du zufällig ’n Kondom gerettet?“ fiel ich ihm ins Wort.
„Nein!“
„Siehst du? Und ich glaube, Jenna hat so viel Verstand, dass es hier nicht demnächst lauter kleine Vellus und Jennas gibt!“
„Währ aber süß!“
„Wenn du die Hebamme spielst?!“ Ich zuckte mit den Schultern. „Ich hab davon keine Ahnung!“
Pekka und Janne sahen mich spöttisch an.
„Ach weißt du Joona, ich hab zuhause drei kleine Stöpsel. Ich kenn mich da perfekt aus. Ich möchte nur deine Versuche sehen, dass Wasser zum Kochen zu bringen!“ Sarkastisch lächelte Pekka mich an.
Ich zog eine Augenbraue hoch. „Ich wusste schon immer, dass mit dir etwas nicht stimmt!“
„Ob es noch andere Paare hier geben wird?“ überlegte Janne mit einem Nachdenklichem Blick in den Fluss.
„PaarE?“ Fragte Pekka nach, woraufhin Janne die Augen verdrehte.
„Ihr wisst was ich meine!“
Pekka sah mich eine weile nachdenklich an und ich fühlte mich langsam aber sicher unwohl.
„Wer weiß.“ Meinte er schließlich. „Hängt wohl so ziemlich von Joona ab. Ich glaube nicht, dass einer von uns schwul ist!“
„Dann müssten wir immerhin nicht mit Nachwuchs rechnen!“
Beide Jungs sahen mich geschockt an. „Was is? Is doch wahr!“
Die beiden sahen sich eine weile an und schüttelten dann beide wie auf Kommando den Kopf. „Neeee!“

„Dann bleibt ja nicht mehr viel!“ bemerkte ich.
„Ja.“ Stimmte Pekka mir zu. „Du und Jussi, du und Janne, du und Matti, du und Axu oder du und ich!“
„Was ist mit mir?“ fragte Axu, der auf einmal neben uns stand.
„Du und Joona könntet zusammen kommen.“ Lieferte Janne eine Erklärung ab, die Axu scheinbar nur noch mehr verwirrte. Er sah eine Weile zwischen mir und den Jungs hin und her und sagte dann: „Ach. Könnten wir das?“
Janne nickte euphorisch. „Ja und Joona und Pekka oder Joona und Matti oder Joona und Jussi“
„Janne!“ Unterbrach ich ihn. „Langsam wissen wir’s!“
Axu grinste. „Ihr habt Vellu und Jenna also auch schon entdeckt?“
Wir nickten alle.
Janne bedachte Axu mit einem seltsamen Blick.
„Axu, stehst du eigentlich auf einen von uns Jungen?“


„Axu, erklärst du mir jetzt bitte, was du da tust?“
Ich saß mit verschränken Beinen am Strand und sah Axu zu, der immer wieder in den Wald lief und mit ein Paar kurzen Ästen oder Steinen wiederkam.
„Hab ich mal in ’nem Film gesehen!“ Und schon lief er wieder an mir vorbei in Richtung Wald.
„Erklärst du mir auch, was du in einem Film gesehen hast?“
Ich war aufgestanden und stand nun neben Axu vor seinem Kunstwerk.
Er hatte groß ‚APUA’ in den Sand geschrieben.
„Wenn jetzt ein Flugzeug oder ein Helikopter hier lang kommen sehen sie das und“ „und können natürlich alle Finnisch und verstehen, was du da hingeschrieben hast!“
Ich lächelte Axu an, der mich verdutzt ansah.
„Scheiße!“
„Du sagst es!“
Ich fing an zu lachen und Axu stemmte seine Hände in die Hüfte. „Was gibt es denn da bitte zu lachen?“
„Das ist so typisch für euch!“
Ich rannte vor Axu weg, der mir sofort nachjagte.
„Nimm das sofort zurück!“ „Chaot!“
Axu schmiss sich nach vorne und riss mich mit nach unten. Ich drehte mich, so dass ich auf dem Rücken lag und ihn angucken konnte.
Er hatte seine Arme rechts und links von mir abgestützt und sah mich herausfordert an.
„Also was bin ich?“
„Ein Chaot. Ein hoffnungsloser Chaot.“
Er piekste mir in die Seite und ich quiekte auf. Axu sah mich wieder an und in seinen Augen lag ein merkwürdiges Funkeln.
„Noch mal.“ Seufzte er. „Was bin ich?“
„Chaotisch?“ versuchte ich es aufs neue.
Wieder piekste er mich in die Seite.
„Mit dir ist es hoffnungslos, oder?“ Er blickte mich lange an und begann dann mit seinem Zeigefinger die Konturen meines Gesichtes nachzuzeichnen.
„Beziehungen, die aus extremen Situationen heraus entstehen, halten nie lange.“ flüsterte ich leise und Axu hielt in seiner Bewegung inne.
„Wo hast du dass den her?“
„Aus einem Film!“

Axu sah mich einen Momentlang verdutzt an und grinste dann.
„Man sollte nicht alles glauben, was man im Fernsehen sieht!“
Langsam beugte er sich zu mir hinunter und küsste mich.
Nachdem er sich wieder von mir gelöst hatte sah ich ihn fragend an.
„Meinst du wirklich, dass geht gut?“
Nachdenklich sah Axu mich eine weile lang an. „Wenn man etwas wirklich will, dann geht alles!“
Ich seufzte und nickte dann. „Ich will!“ Ich legte eine Hand in seinen Nacken und zog ihn zu mir hinunter.
„Gott, dass klang, als hättest du mir nen Heiratsantrag gemacht!“ murmelte ich, bevor Axu mit seinen Lippen wieder meinen Mund verschloss.


„Ich dachte immer, dass du was von Janne willst!“
Axu und ich saßen im Sand und sahen uns den Sonnenuntergang an. Er hatte einen Arm um mich gelegt und ich hatte meinen Kopf an seine Schulter gekuschelt.
„Ich mag Janne. Ich hab ihn wahnsinnig lieb, wie eigentlich jeden auf dieser Insel. Aber ich mag ihn als Freund.“
Ich seufzte. „Weißt du eigentlich, dass ich wahnsinnige Angst um dich hatte, als du krank warst?“
Axu nickte. „Pekka hat mir erzählt, dass du Tagelang in der Höhle gesessen hast. Trotz der Ansteckungsgefahr.“
„Ich glaube, dass war in dem Moment meine kleinste Sorge. Ich hatte einfach angst um dich!“
„Ich hab von dir geträumt.“ erzählte mir Axu leise.
Ich sah ihn erstaunt von der Seite an.
„Du hast von mir geträumt? Wann?“
„Ach hier seit ihr!“ Unterbrach Pekka plötzlich unser Gespräch.
Verdutzt sah er uns an. „Is das jetzt irgendwie ansteckend?“ Ich zog eine Augenbraue hoch und sah ihn an.
„Erst Vellu und Jenna, dann ihr, wen finde ich morgen? Jussi und Havu?“
Axu und ich sahen uns an und seufzten beide.
Zum ersten mal wünschte ich mir, dass die Insel wirklich einsam wäre.


° Jenna°


„Axu und Joona?“
Jussi sah Pekka ungläubig an und auf meinem Gesicht breitete sich ein triumphierendes Grinsen aus.
„Du schuldest mir 50€, mein Lieber.“
„Klar, die geb ich dir, wenn wir wieder irgendwo sind, wo das auch einen Wert hat“, meinte Jussi wenig beeindruckt.
„Gib’s zu, du hast es nicht.“
„Natürlich nicht“, wandte Matti ein. „Du redest hier mit meinem Bruder.“
„Was soll das denn heißen?“, motzte Jussi.
„Das soll heißen, dass allein die Zinsen von dem Geld, das du mir schuldest, reichen würden, um mir ein Eigenheim zu bauen“, erklärte Matti. „Mit Pool.“
„Hallo? Denkt hier noch irgendjemand an das Grundthema?“, warf Pekka ein. Jussi, Matti und ich sahen ihn fragend an. Pekka seufzte. „Axu und Joona!“
„Ach so, ja ja...“ Matti legte sich lang hin und schloss die Augen.
„Langsam is das auch nichts neues mehr“, meinte Jussi schulterzuckend.
„Wo ist eigentlich Vellu?“, wollte ich wissen und legte mich ebenfalls hin. Es war schon ziemlich spät und ich wollte schlafen gehen. Mit oder ohne Vellu. Obwohl mir mit natürlich wesentlich lieber gewesen wäre.
„Draußen. Er wollte sich schnell waschen“, antwortete Jussi.
„Okay.“ Ich machte ebenfalls die Augen zu und wickelte mich in meine Decke. Endlich konnte ich mal wieder ganz in Ruhe einschlafen ohne irgendwelche Sorgen. Bis auf die Tatsache, dass wir hier auf einer einsamen Insel gefangen waren und das seit zwei Monaten, wonach zu schließen war, dass man uns nicht mehr suchte. Aber wen störte das schon...
Ruckartig setzte ich mich auf. Verdammt, wir waren hier gefangen. Sollten wir hier sterben? Immerhin konnte man nicht ewig auf so einer Insel überleben, das sah man ja an Robinson Crusoe...war Robinson Crusoe eigentlich gestorben? Ich sollte das Buch dringend mal lesen. Aber wie, wenn man auf einer einsamen Insel...hm, ich wiederhole mich. Aber mal im Ernst, wie sollte das weitergehen?
„Himmel“, hörte ich plötzlich Jussis Stimme aus der Dunkelheit. „Weib, bitte, schlaf endlich. Dein Lover kommt schon noch.“
„Klappe“, knurrte ich und Jussi lachte leise auf.
„Nacht, Jenna.“
„Nacht.“ Ich stand auf und beschloss, Vellu zu suchen. Mit ihm konnte man sicher gut über sowas reden. Dachte ich jedenfalls. Wie kam es eigentlich, dass ich bis über beide Ohren verliebt in den Jungen war, obwohl wir uns am Anfang überhaupt nicht ausstehen konnten? Kannte ich ihn überhaupt richtig?
„Wenn du weiter so viel denkst, fängt dein Kopf an zu qualmen.“ Vellu stand plötzlich neben mir. Er trug nur Shorts, seine Harre waren nass und Wasser tropfte auf seinen Oberkörper.
„Und wenn du hier weiter in der Kälte stehst, holst du dir noch sonst was weg. Ich bring dir’n Handtuch.“ Ich schlich mich in die Höhle zurück und holte ein großes Handtuch. Dann ging ich zurück und rubbelte Vellus Haare trocken, so dass sie nach allen Seiten abstanden. Zufrieden sah ich ihn an.
„So, das ist besser.“
Er lächelte und küsste mich auf die Stirn.
„Danke, Mama.“
„Noch so’n Kommentar und ich geh wieder.“
„Nein!“ Vellu nahm mich in die Arme und ich ließ mich gegen ihn sinken. „Was ist los? Geht’s dir nicht gut?“
„Ich weiß nicht. Ich mach mir einfach Sorgen über die Zukunft. Wie lange werden wir wohl hier auf der Insel überleben? Ich bin doch nicht MacGyver!“
„Wer?“
„Vergiss es. Außerdem denk ich an zu Haus.“
Vellu nickte nachdenklich.
„Ich auch. Weißt du, Finnland ist schön, du würdest es dort mögen. Irgendwann werd ich dich dorthin holen. Versprochen.“
„Leider kann ich dasselbe nicht von Deutschland sagen, aber es ist trotzdem mein zu Hause.“
Eine Weile herrschte Stille, dann sah ich auf und fragte:
„Vermisst du’s nicht?“
„Was?“
„Na, Skispringen.“
Vellus Augen verengten sich und er nahm seine Arme weg.
„Woher weißt du das?“
„Aus so nem Buch, das Joona und ich hier gefunden haben. Da waren Bilder von euch drin und Artikel über’s Skispringen und dann haben wir einfach- genial wie wir sind- kombiniert.“ Ich sah Vellu fragend an. „Wieso, ist da was Schlimmes dran? Seid ihr eine Bande von illegalen Ski- Schmugglern, oder was?“
Herr im Himmel, allein diese Vorstellung...
„Nein“, lachte Vellu, der sich offensichtlich wieder eingekriegt hatte. „Ich wusste nur nicht, dass du es weißt. Es hat mich überrascht.“
Ich grinste ihn herausfordernd an.
„Äh-äh...Du, Mr Ego, dachtest, ich hätte es schon vorher gewusst und wäre ein irrer Groupie. Gott, sind alle Skispringer so eingebildet?“
„Jetzt werd mal nicht frech, es hätte immerhin sein können“, verteidigte Vellu sich und sein enormes Ego.
„Es hätte auch sein können, dass sie eine Brücke hierher bauen und wir gemütlich ans Festland spazieren könnten. Aber es ist nicht so.“
„Okay, ich hab’s kapiert. Ich bin exzentrischer Möchtegern- Profi- Sportler mit einem Ego so groß wie der Mount Everest und du hast mich durchschaut.“ Vellu zog mich wieder in seine Arme und ich schmollte.
„Verarschen kann ich mich alleine, dazu brauch ich keine Finnen.“ Dennoch legte ich meine Arme um ihn und küsste ihn lange.
„Weißt du, ein Gutes hat diese Insel“, flüsterte er.
„Und das wäre?“
„Dass wir uns getroffen haben.“

„JENNA!“
Langsam öffnete ich die Augen. Ich erwartete die dunkle Steindecke der Höhle zu sehen, doch das war nicht der Fall. Und auch Vellu lag nicht wie sonst neben mir.
Es dauerte eine Weile, bis mir alles wieder einfiel. Wir waren gerettet worden. Ein Flugzeugträger der Army hatte uns aufgegabelt und dann waren wir von New York nach hause geflogen- Joona und ich nach Deutschland und die Jungs nach Finnland.
Das war jetzt drei Wochen her. Es war alles so schnell gegangen, dass wir kaum Zeit hatten, uns voneinander zu verabschieden.
Von Vellu hatte ich nichts mehr gehört.
„Jenna, bist du wach?“ Meine Mutter kam in mein Zimmer.
„Ja, was ist denn?“
Sie lachte auf.
„Du solltest dir mal wieder einen Kalender ansehen.“
Ich stieg aus meinem Bett und schaute auf das Datum. Es war mein achtzehnter Geburtstag. Wie hatte ich das nur vergessen können? Aber mir war eh nicht nach feiern zumute. Ich vermisste die Jungs, besonders Vellu.
Meine Mutter verließ das Zimmer und ging runter.
„Zieh dich an“, rief sie. „Wir haben noch was vor.“
Ich knurrte nur leise und schlich ins Bad. Dieser Tag war jetzt schon gelaufen, ich wollte gar nicht wissen, was die für mich geplant hatten. Sahen die denn nicht, dass ich nur in Ruhe gelassen werden wollte?
Schlecht gelaunt ging ich die Treppe runter und ließ mich in der Küche an den Tisch fallen. Ich sah nicht einmal auf. Meine Mutter stellte mir einen Teller vor die Nase und strich mir über die Haare.
„Iss etwas, Schatz.“
„Ich mag nicht. Mir geht’s nicht gut.“
„Ist es immer noch wegen Bello?“
„Vellu.“
„Von mir aus.“
„Ja. Ich vermiss ihn.“
Plötzlich spürte ich einen warmen Atem an meinem Ohr.
„Ich hab dich auch vermisst“, sagte eine Stimme in unsicherem Deutsch. Ich fuhr herum und sah in Vellus Augen. Mein Herz setzte für eine Sekunde aus. Dann kamen auch noch Joona und Axu Hand in Hand in die Küche und ich bekam meinen Mund gar nicht mehr zu.
„Was mach ihr hier?“, stammelte ich schließlich.
„Dich abholen“, antwortete Vellu und zog mich vom Stuhl hoch.
„Abholen?“
Er umarmte mich und gab mir einen Kuss.
„Ich hab dir doch versprochen, dass ich dich mal nach Finnland hole“, flüsterte er und küsste mich erneut. Mir stiegen die Tränen in die Augen. Ich konnte nicht glauben, dass er wirklich vor mir stand. Und, dass Axu da war. Und überhaupt. Ich sah meine Mutter an, die mich nur anlächelte. Es war alles so unwirklich- und wunderschön.
„Das ist das perfekte Ende für diese Geschichte“, meinte ich leise. Vellu schüttelte den Kopf.
„Nein“, flüsterte er. „Das ist der perfekte Anfang...“ (ß voll kitschig, ich weiß, aber ich LIEBE diesen Satz *seufz* g* )

ENDE

















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